Giftunfälle China bekämpft Chemie mit Chemie


Kadmium im Süden, Benzol im Norden: Die Umweltkatastrophe in China weitet sich nach Unfällen in zwei Chemiewerken aus und erreicht nun auch Russland. Dort schlagen die Behörden noch keinen Alarm.

Die Umweltkatastrophen in China weiten sich aus. Zur Bekämpfung eines Giftteppichs im Fluss Beijiang in Südchina will das Land nun Chemikalien ins Wasser geben, mit dem das Gift weitgehend neutralisiert werden soll. Dies kündigten örtliche Behörden und staatlichen Medien am Freitag an.

Nach Einschätzung von Experten kann der Giftgehalt dadurch um knapp ein Drittel reduziert werden. Zuvor hatte die Regierung bereits Dammsperren abgesenkt, um eine Verdünnung des Wassers zu erreichen und damit die Giftkonzentration zu verringern.

Der giftige Schlick stammt Medienberichten zufolge von einer Zink-Schmelzerei nahe der Stadt Shaoguan und führte in dem dortigen Flussabschnitt zuletzt zu Kadmiumwerten, die zehnfach über dem Normalwert lagen.

Kadmium führt zu Leber- und Nierenschäden

Kadmium, das zumeist in Batterien zum Einsatz kommt, kann zu Leber- und Nierenschäden sowie Knochenkrankheiten führen. Kadmium-Verbindungen sind auch Krebs erregend. Seit fünf Tagen haben Zehntausende Menschen, die entlang des Flusses leben, bereits kein Trinkwasser mehr.

Der Vorfall in der Zink-Schmelzerei - eine der größten in China - ist bereits der zweite große Industrieunfall innerhalb weniger Wochen in der Volksrepublik. Im 13. November waren in der nordöstlichen Provinz Jilin rund 100 Tonnen Krebs erregendes Benzol in den Fluss Songhua geraten.

Die Giftflut, die nach einer Explosion in einer Chemiefabrik ausgetreten war, hat am Donnerstag auf dem Strom Amur die russische Großstadt Chabarowsk erreicht. In der 600.000 Einwohner zählenden Stadt gebe es keine Panik, die meisten Menschen hätten Trinkwasservorräte angelegt, meldete die Agentur Interfax.

"Vom Fluss her riecht es unangenehm nach Chlorphenol", sagte der stellvertretende Leiter der Gebietsverwaltung, Wladimir Popow. Wegen der mittlerweile starken Verdünnung des Gifts im Wasser liege der Nitrobenzol-Gehalt um 60 Prozent unter dem zulässigen Grenzwert. Aus dem Strom werde weiter Wasser entnommen und gefiltert in das städtische Leitungssystem von Chabarowsk eingespeist. Das Wasser sei als Brauchwasser, aber nicht zum Trinken geeignet, sagte Popow.

In Chabarowsk war vorerst keine Abschaltung der Wasserversorgung geplant, wie eine Sprecherin der Kommunalverwaltung mitteilte. Dort hatten die Behörden gut fünf Wochen Zeit, sich auf die Ankunft der Giftwelle aus China vorzubereiten. In den Amur wurden zahlreiche Kohlefilter eingebaut, so dass die Benzolkonzentration zunächst noch gering war.


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