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Insel vor New York: Mutter darf nach 12 Jahren ans Grab ihres Babys: "Ihr Sohn ist nicht hier"

Als ihr Baby starb, hatte Katrina DeJesus kein Geld und überließ die Bestattung schweren Herzens der Stadt New York. Erst 12 Jahre später durfte sie das Grab ihres Kindes erstmals besuchen - und erlebte eine böse Überraschung.

Ein verlassenes Gebäude auf der Friedhofsinsel Hart Island vor New York

Ein verlassenes Gebäude auf Hart Island: Auf der Insel vor New York befindet sich ein riesiger Armenfriedhof. Jedes weiße Plastikrohr in der Nähe des Hauses markiert ein Massengrab, in dem 1000 Kinder beerdigt sind.

Am 23. Oktober 2003 brachte Katrina DeJesus einen Jungen zur Welt. Der kleine Anthony lebte nur 90 Minuten und weil die junge Mutter kein Geld für seine Beerdigung hatte, unterschrieb sie widerstrebend Dokumente, mit denen sie der Stadt New York die Bestattung überließ, wie die "New York Times" berichtet. Sie werde die Grabstätte ihres Sohnes nicht besuchen dürfen, erklärten ihr Behördenmitarbeiter. Das Betreten der kleinen Friedhofsinsel Hart Island vor New York sei generell verboten.

Zwölf Jahre lang habe Katrina DeJesus mit ihren lebenden Kindern jedes Jahr an Anthonys Geburtstag eine Torte zum Gedächtnis an den Verstorbenen gebacken, schreibt die Zeitung. Und in den Schrein, den sie neben ihrer einzigen Fotografie des Säuglings errichtet hatte, habe sie jedes Mal einen weiteren Gegenstand gestellt. Dann habe sie erfahren, dass eine Gerichtsentscheidung den Angehörigen der Bestatteten den Weg auf die Insel frei gemacht habe.

"Was haben sie mit seinem Körper gemacht?"

DeJesus und ihre 15, neun und sechs Jahre alten Kinder waren laut der "New York Times" bereits auf der Fähre nach Hart Island, als ihr ein Behördenmitarbeiter mitteilte, dass die Stadt keinerlei Aufzeichnungen über ihren Sohn besitze. "Ich bin einfach zusammengebrochen, weil ich diese ganze Zeit lang gedacht hatte, mein Sohn wäre friedlich begraben worden", zitiert die Zeitung die Mutter. "Wo ist mein Sohn denn? Was haben sie mit seinem Körper gemacht?"

Dem Bericht zufolge hat das Büro des Gerichtsmediziners mittlerweile Unterlagen gefunden, wonach Anthonys Körper ins Leichenschauhaus in der Bronx gebracht wurde, aber keine, die belegen, dass er von dort auch wieder weggebracht wurde. Katrina DeJesus habe die Stadt deshalb auf fünf Millionen Dollar Schadenersatz verklagt. "Dem Gesetz nach haben Angehörige das Recht auf Trost durch das Bestattungsritual", zitiert das Blatt den Anwalt von DeJesus. "Und die Gerichte haben anerkannt, dass von jedem, der dieses Recht beeinträchtigt, Schadenersatz gefordert werden kann."

"Ich habe alles versucht, um das Geld aufzutreiben"

Auf Hart Island befindet sich der größte Friedhof der USA. Dort wurden seit 1869 fast eine Million tot geborene Babys, Obdachlose, unbekannte Tote und verarmte Menschen begraben. Das Betreten der unbewohnten Insel war der Öffentlichkeit lange Zeit verboten, weil die Leichen von Häftlingen verscharrt werden, so die offizielle Begründung. Erst nachdem eine Bürgerrechtsbewegung gegen das Verbot klagte, dürfen Angehörige von Bestatteten seit Juli 2015 an mindestens einem Wochenende im Monat die Gräber besuchen.

Katrina DeJesus wird derweil von schmerzhaften Erinnerungen heimgesucht, schreibt die "New York Times". Sie habe nach dem Tod von Anthony alles versucht, um das Geld für seine Beerdigung aufzutreiben, erzählte die Mutter dem Blatt. Doch nicht einmal die Wohlfahrtsbehörde habe ihr helfen wollen. Schließlich habe sie den Körper ihres Kindes in die Hände der Stadt übergeben, damit diese ihn in Frieden bestatte, und die Stadt sei ihrer Verpflichtung nicht nachgekommen. "Dass ich der Stadt und allen vertraut habe, dass sie dafür sorgen, dass mein Baby in Frieden ruht, und nun kommen sie zu mir und sagen, sie wissen nicht, wo mein Baby ist. Wie kann ich damit leben?"

mad
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