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Havarierter Frachter "Rena": Öl verpestet Küste Neuseelands

Die neuseeländischen Behörden kämpfen gegen immer neuen Probleme bei der Bergung des havarierten Frachters "Rena". Früher als erwartet erreichen klebrige Schwerölbrocken die Strände, das Absaugen der Tanks geht nur schleppend voran, jeden Moment könnte das Schiff auseinanderbrechen. Dabei hätte das Drama wohl verhindert werden können.

Erste Teile eines Ölteppichs von dem havarierten Containerschiff "Rena" sind an die neuseeländische Nordostküste gespült worden. Am Strand von Mount Maunganui, einem beliebten Badevorort der Hafenstadt Tauranga, sei Öl entdeckt worden, berichtete der neuseeländische Rundfunk am Montag. Ursprünglich hatten die Behörden erst für Mittwoch damit gerechnet.

Gesundheitsbehörden brachten an der Küste deshalb Warnschilder an mit dem Hinweis, verseuchten Fisch und Meeresfrüchte nicht zu essen. Unterdessen berichtete die Gewerkschaft der Seeleute, die "Maritime Union" am von bekannten Mängeln auf der "Rena", die Behörden bei einer früheren Inspektion des Schiffes festgestellt hätten.

Die griechische Reederei des in Liberia registrierten Frachters hat diese Vorwürfe allerdings zurückgewiesen. "Alle Karten waren an Bord. Das wurde auch von den neusseeländischen Behörden bestätigt", sagte der Sprecher der Reederei Costamare Inc., Patrick Adamson, am Montag. Andere Probleme habe es nicht gegeben, hieß es. Nach Angaben der "Maritime Union" haben Behörden bei einer Inspektion auf der "Rena" im vergangenen Monat mehrere Mängel festgestellt. Dabei sollen auch Probleme bei den Seekarten entdeckt worden sein.

Abpumpen des Treibstoffs geht nur langsam voran

Aus den Treibstofftanks des leckgeschlagenen Frachters sind nach Angaben von Verkehrsminister Steven Joyce etwa 100 Tonnen Schweröl ausgelaufen. Bis zur Hälfte der Menge könnte in den Südpazifik geflossen sein. Der Rest befinde sich im zerstörten Schiffskiel. "Wir erwarten mehr Öl an der Küste in den nächsten Tagen", sagte Joyce. Er warnte Einwohner davor, das Öl selber zu entfernen. Experten seien auf dem Weg, um die Arbeit zu übernehmen.

Reporter berichteten von "großen Fladen und dicken Klumpen" Öls, die von dem Schiff an die Strände bei Tauranga gespült worden seien. Der Frachter war am vergangenen Mittwoch rund 22 Kilometer vor der Küste auf ein Riff gelaufen.

In der Nacht zum Montag hatten Bergungsmannschaften bereits mit dem Abpumpen des Schweröls aus der "Rena" begonnen. Wegen schlechten Wetters mussten die Arbeiten jedoch wieder eingestellt werden. Nach Angaben der Schifffahrtsbehörde MNZ wurden bis dahin nur rund 10 der insgesamt 1700 Tonnen Treibstoff aus den Tanks des Containerfrachters auf das Spezialschiff "Awanuia" umgepumpt.

"Rena" könnte zerbrechen

Außerdem befinden sich nach neuen Erkenntnissen auch noch 200 Tonnen Diesel an Bord. Das Abpumpen des Treibstoffs soll bis zu 40 Stunden dauern. Die Schifffahrtsbehörde korrigierte darüber hinaus Angaben zum Alter des Schiffs: Es sei 21 Jahre alt - statt 32, wie zuvor angegeben.

Der 236 Meter lange Frachter droht auseinanderzubrechen und könnte eine große Ölpest verursachen. Auch für die nächsten Tage haben Meteorologen starke Winde und heftigen Regen für das Gebiet angesagt.

Einmalige Naturlandschaften

Die neuseeländische Regierung befürchtet die größte Umweltkatastrophe des Landes seit Jahrzehnten. In der von der Havarie betroffenen Bucht leben unter anderem Wale, Delfine und Pinguine. Zahlreiche Seevögel sind durch das Öl bereits verendet.

Die Unglücksstelle befindet sich in unmittelbarer Nähe der Coromandel Halbinsel und der Bay of Plenty. Letztere erhielt ihren Namen von Captain James Cook, aufgrund ihres ungewöhnlich hohen Artenreichtums und ihre Fruchtbarkeit.

Coromandel ist ein beliebtes Ziel für Öko-Touristen und beherbergt eines der bedeutendsten Meeresnaturschutzgebiete Neuseelands. Spektakuläre Kalksteinfelsen und dichte Mischwälder formen hier verborgene Buchten. Der Strand um den Felsendom "Cathedral Cove" erlangte durch Hollywoodfilme wie die "Die Chroniken von Narnia" internationale Berühmtheit und zählt bei Reisenden zu einem der Highlights auf einem Neuseelandtrip.

ono/DPA / DPA