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Herde außer Kontrolle Sie plündern Felder, Silos und Alkohol-Lager – in China sind die Elefanten los

Elefanten, aus der Luft fotografiert, stehen an einer Straße
In der chinesischen Provinz Yunnan ist eine Herde wilder Asiatischer Elefanten unterwegs. Zuletzt näherten sich die Tiere der Großstadt Kunming.
© Hu Chao/Xinhua / DPA
Eine Herde Elefanten ist in China buchstäblich außer Kontrolle geraten. Die Tiere wandern durch Städte, zertrampeln Felder – und wurden auch schon in einer Alkoholfabrik erwischt.

Chinas Online-Community hat derzeit ein großes Thema: Wo sind die Elefanten, was haben sie jetzt wieder zertrampelt – und in welche Richtung sind sie unterwegs? Im Netz gibt es Videos von den Dickhäutern, die in der Dunkelheit ganz lässig Hauptstraßen überqueren, Drohnen sind im Einsatz, um der Spur der Herde zu folgen. Und TV-Sender rechnen vor, wie hoch der Schaden ist, den die Tiere bisher angerichtet haben: Aktuell sollen ihre Verwüstungen umgerechnet etwas mehr als eine Million Dollar gekostet haben.

Schauplatz der Ereignisse ist Chinas südwestliche Provinz Yunnan, die an Myanmar grenzt. Die Tiere sollen Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr aus dem Nationalpark Xishuangbanna ausgebrochen sein. Es seien insgesamt 15 Herdenmitglieder: sechs Kühe, drei Bullen, drei halbwüchsige Tiere und drei Kälber.

Elefanten stammen aus einem Naturpark in der Nähe von Myanmar

Wie genau sie aus dem Naturpark entwischten und warum sie nicht freiwillig in das Naturreservat zurückkehren, ist unklar. Doch seit ihrer Abwanderung streifen sie durch Yunnan, meist durch ländliche Gegenden und Dörfer.

Auf ihren Weg futterten sie Bäume, plünderten Scheunen, fraßen sich durch Maisfelder und tranken angeblich auch einen Wassertank leer. Sogar in eine Alkoholfabrik sollen sie eingedrungen sein. Alkohol habe für Elefanten einen attraktiven Geruch, erklärte ein Wissenschaftler bei "China Youth Daily". Denn er dufte wie gärende Früchte – und das fänden die Dickhäuter sehr schmackhaft.

In einem Medienbericht wurde zudem behauptet, dass es ursprünglich 17 Elefanten waren. Aber zwei seien nach dem Besuch in der Alkoholfabrik so beschwipst gewesen, dass sie von der Herde getrennt wurden und in Richtung des Nationalparks zurückliefen.

Welches Ziel die Herde hat und ob sie überhaupt ein Ziel hat, ist unklar. In manchen Medien wird spekuliert, die Leitkuh habe sich verlaufen und führe ihre Herde nun über einen Irrweg quer durchs Land. Etwa 500 Kilometer sollen die Tiere in der Region inzwischen gewandert sein.

Behörden in China überwachen die Elefantenherde rund um die Uhr

Begegnungen zwischen Mensch und Elefant können für Menschen sehr gefährlich werden. Noch sei aber zum Glück niemand zu Schaden gekommen, heißt es. Dennoch richteten die Behörden eine 24-Stunden-Überwachung ein, nachdem die Tiere im Distrikt Hongta in Yuxi gesehen worden waren und sich der Großstadt Kunming näherten. In dem Distrikt wohnen offiziellen Angaben zufolge 380.000 Menschen.

360 Helfer, 76 Polizeiwagen und schwere Lkw sowie neun Drohnen und 18 Tonnen Elefantenfutter sollten sicherstellen, dass die Tiere keine unerwünschte und für die Bevölkerung besonders gefährliche Route nehmen. Manche Anwohner versuchen, die Elefanten mithilfe von Blockaden und Leckereien von ihren Häusern und ihrem Besitz fernzuhalten. Andere errichten Straßensperren und legen Futter aus, um die Tiere auf den Weg zurück ins Naturschutzgebiet zu locken. Bisher ohne Erfolg.

Asiatische Elefanten sind die größten Säugetiere in Asien – und weltweit die zweitgrößten Landtiere der Erde nach den Afrikanischen Elefanten. Sie sind in China geschützt, in Yunnan sollen etwa 300 wilde Elefanten leben. Damit hat sich die Population seit den 1980er Jahren erholt, als es dort nach offiziellen chinesischen n Angaben nur 193 Exemplare gab.

Mehr Elefanten – aber Lebensraum und Futterangebot schrumpfen

Doch die Tiere finden inzwischen nicht mehr genug Lebensraum und Futter – Städte wachsen, es entstehen immer mehr Tee- oder Gummiplantagen. Auch werden örtlichen chinesischen Behörden zufolge bei Aufforstungen vermehrt Bäume gepflanzt, die nicht auf der Nahrungsliste der Tiere stehen. Deshalb mehren sich seit einigen Jahren Berichte, wonach Elefanten auf der Suche nach Futter in Dörfer eindringen, Felder zertrampeln oder Ernten vernichten.

Doch eine so große Herde auf Wanderschaft ist auch für dortige Maßstäbe etwas Außergewöhnliches. Die Frage, wo die Tiere gerade herumstreifen, wird wohl weiterhin die Nachrichten und Social-Media-Kanäle beherrschen.

Quellen: "CNN", "ABC News"

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Sehen Sie im Video: Im Süden Chinas haben die Bewohner der Stadt Pu’er ein Problem mit einem Elefanten. Neuerdings geht der Dickhäuter immer wieder in Siedlungen und sucht nach Futter. Die Gemeinde hat nun eine kreative Lösung gefunden.


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