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Ein Volk von Verwandten: Warum man in Island eine Inzest-App braucht

Seit die Wikinger Island vor 1100 Jahren besiedelten, blieben die Bewohner der Insel meistens unter sich. Kein Wunder also, dass die 334.000 Einwohner ein Inzest-Problem haben. Eine App hilft, ungewollte Begegnungen zu vermeiden.

Island-Fans feuern bei der EM 2016 ihre Mannschaft an.

Island-Fans feuern bei der EM 2016 ihre Mannschaft an. Einige von ihnen könnten miteinander verwandt sein, ohne es zu wissen.

Gerade einmal 334.000 Einwohner zählt Island. Sie stammen alle mehr oder weniger von einer Handvoll Wikinger ab, die um 900 n. Chr. die Atlantikinsel besiedelten. Seitdem gab es kaum eine Entwicklung, die Einfluss auf den genetischen Pool der Nation nehmen konnte. Über die eine oder andere Ecke sind also alle Menschen auf Island irgendwie miteinander verwandt. Und so ist für die Isländer die Gefahr, bei der nächsten Kneipentour einen Verwandten als Flirtziel zu wählen, durchaus präsent.

Gut, dass es auf der Insel eine App gibt, die inzestuöse Peinlichkeiten verhindern kann. "Islendinga" heißt sie. Dank der Anwendung lässt sich der Verwandschaftsgrad noch vor dem ersten Date überprüfen. Man gebe nur den Namen eines jeden beliebigen Isländers ein und schon verrät die App, ob und wie man mit der Person verwandt ist. Stellt die App fest, dass die Gene zu ähnlich sind, kommt der "Inzestalarm". 

Genealogische Daten aus 1200 Jahren 

Möglich ist dies nur, weil der Genpool von nahezu allen Isländern in einer Datenbank erfasst ist. Seit 1997 trägt die biotechnologischen Firma deCODE Genetics genetische Informationen von Isländern zusammen. Dazu werden Daten aus Volkszählungen, Familienarchiven, Kirchenbüchern und anderen historischen Quellen gesammelt. Im "Buch der Isländer" werden sie schließlich archiviert.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Daten von 95 Prozent aller Isländer in ihrer Datenbank, die in den vergangenen 300 Jahren auf der Insel lebten oder leben. Die genealogischen Informationen können sogar teilweise um mehr als 1200 Jahre zurückdatiert werden. "Das Ziel des Projekts ist es, alle bekannten Familienverbindungen zwischen Isländern seit der Besiedlung Islands zurückzuverfolgen", heißt es auf der Website von deCODE Genetics.

In erster Linie sollen die Daten der Forschung auf dem Gebiet der medizinischen Genetik dienen. Drei Informatikstudenten der Universität von Island entdeckten jedoch den Nutzen, den die Daten auch für den Alltag aller Isländer haben können. Seit 2013 warnt nun ihre App: "Finger weg von deiner Cousine!"

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ivi
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