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Sozial-Experiment: Das passiert, wenn man bettelarmen Menschen 1000 Dollar gibt

Eine Gruppe von US-Wissenschaftlern wagte ein großes Experiment: Sie verteilten jeweils 1000 Dollar an 10.500 Haushalte in Kenia und untersuchten, wie die Bargeld-Spende die gesamte Gegend verändert. 

Ein Dorf in Kenia

Ein Dorf in Kenia. Für ihr Experiment beobachteten US-Forscher Dörfer, wo Bewohner Geld bekommen haben, und Siedlungen, wo es keine Spenden gab. 

Picture Alliance

Was passiert, wenn man einer bettelarmen Familie in einem der ärmsten Länder der Welt 1000 Dollar gibt? Und wie wirkt sich eine solche Spende auf ihre Nachbarn aus? Das hat sich eine Gruppe von Wissenschaftlern von der University of California in Berkeley und der University of California in San Diego gefragt und ein einzigartiges soziales Experiment durchgeführt. 

Fünf Jahre verbrachten die Forscher Dennis Egger, Johannes Haushofer, Edward Miguel, Paul Niehaus und Michael Walker in Kenia, um eine Antwort auf diese Fragen zu finden. In Zusammenarbeit mit der Wohltätigkeitsorganisation GiveDirectly wählten sie nach dem Zufallsprinzip mehr als 10.500 arme Familien aus verschiedenen Dörfern aus, die jeweils die Summe von 1000 Dollar erhielten. Dabei stellten sie an die Familien keine Bedingungen, wie das Geld ausgegeben werden sollte.

Doch die Wissenschaftler wollten nicht nur sehen, was in den Dörfern passiert, in denen die Familien leben, die das Geld bekamen, sondern auch in den benachbarten Siedlungen. Zum Vergleich beobachteten die Forscher also auch die Entwicklungen in den Dörfern, wo niemand Geld erhalten hatte. Würde das Glück ihrer Nachbarn ihr Unglück sein? Würden dort die Preise steigen? Würde es den Menschen im Endeffekt sogar wirtschaftlich schlechter gehen?

Mehr als zehn Millionen Dollar investiert

Die Ergebnisse des Experiments zeigten jedoch das Gegenteil. Die Ausschüttung von Bargeld kam der gesamten lokalen Wirtschaft zugute und nicht bloß den direkten Empfängern. Jede 100 investierte Dollar erwirtschafteten in Folge 250 bis 270 Dollar - und das in einem Zeitraum von nur 18 Monaten. Entgegen den allgemeinen Befürchtungen wirkte sich das Programm außerdem nur minimal auf die Preise aus: Die Inflation im Gebiet des Experiments stieg um weniger als einen Prozent über die Gesamtrate in Kenia hinaus.

Das Experiment widerlegte zudem einige Vorurteile, die mit der Auszahlung von Spenden in Form von Bargeld einhergehen. Die Ausgaben für Zigaretten, Alkohol oder Glücksspiel nahmen im Zeitraum der Untersuchung nicht zu. Die Häufigkeit von gemeldeten Fällen von häuslicher Gewalt änderte sich nicht. Die Menschen gingen auch nicht seltener zur Arbeit. 

Doch es gibt auch Kritik an dem Experiment. Es ist die enorme Summe, die ausgegeben wurde, die Fragen aufwirft. Insgesamt schütteten die Wissenschaftler mehr als zehn Millionen Dollar aus. Die Gelder gingen an 10.500 Haushalte von insgesamt 65.385 Haushalten in dem betroffenen Gebiet. Wenn man so viel Geld in eine lokale Wirtschaft steckt, dann muss es zu einen Wachstum kommen, so das Argument der Kritiker der Studie. Nun bleibt abzuwarten, wie lange dieser Effekt anhält. 

Quelle: Studie "General equilibrium effects of cash transfers: experimental evidence from Kenya"

ivi