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Kieler Windhose "Dann wurde das Ding immer größer": Der Tornado traf die Ruderer mit voller Wucht

Umgeknickte Bäume, abgedeckte Dächer und ins Wasser gerissene Menschen: der Tornado von Kiel
Umgeknickte Bäume, abgedeckte Dächer und ins Wasser gerissene Menschen: der Tornado von Kiel
© Steven Hutchings / DPA
Der Schrecken nach dem Tornado an der Kieler Förde sitzt noch tief: Am schlimmsten erwischte es Ruderer, die gerade ihr Boot zu Wasser lassen wollten. Die Windhose traf sie mit voller Wucht und verletzte einige schwer.

Am schlimmsten hat der Tornado Mitglieder des Ersten Kieler Ruder-Clubs (EKRC) getroffen. Das Achterboot, mit dem sie auf der Kieler Förde trainieren wollten, lag auf dem Ponton bereit, um zu Wasser gelassen zu werden. Das Training hatte sich wegen des Regens verzögert, aber jetzt sollte es losgehen.

"Ein Mitglied hat noch gerufen: Achtung Windhose!", schildert Bernd Klose, Vorsitzender des EKRC, die dramatischen Ereignisse. Der Tornado habe den Ponton mit voller Wucht getroffen, das Boot in die Luft gehoben und gedreht. Einige Ruderer wurden ins Wasser gerissen, andere seien von umherfliegenden Gegenständen am Kopf getroffen worden. Es gab drei Schwerverletzte, weitere vier trugen leichte Verletzungen davon. Das Boot wurde zerstört.

Der Schrecken über den Tornado sitzt tief

"Das Ding ist immer größer geworden", sagt ein Zeuge, der unmittelbar dabei war. Er habe sich sicherheitshalber in seinen Lkw geflüchtet. Unter den Vereinsmitgliedern sitze der Schrecken tief, berichtet Klose. "Den Schaden kann man ersetzen, die Gesundheit jedoch nicht."

Der Tornado hatte sich kurz vor sechs Uhr abends gebildet und war dann "vom Kieler Süden in den Norden durchgerauscht", wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilte. Im Stadtteil Meimersdorf deckte er einige Dächer ab und riss im Stadtgebiet Bäume um. Nachdem der Tornado auf die Ruderer getroffen war, löste er sich auf.

Tornado in Kiel: Video von Windhose an Kieler Förde

Zum Glück: Tornado zieht hauptsächlich durch unbebautes Gebiet

Trotz der entstandenen Schäden haben die Kieler vermutlich Glück gehabt. Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hätte der Wirbelsturm bei anderem Verlauf wesentlich größere Schäden anrichten können. Wäre er durch die Innenstadt gezogen, hätten Dachziegel wie Geschosse durch die Gegend fliegen können, sagte DWD-Tornado-Experte Andreas Friedrich am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. "Von der Stärke her ist es nach ersten Auswertungen aber ein eher schwächerer Tornado gewesen."

Friedrich schätzte die Rotationsgeschwindigkeit des Tornados auf 118 bis 180 Kilometer pro Stunde. Das gehe mit "zerstörerischer Kraft" einher. Am Boden habe er sich aber nur mit Tempo 10 bis 20 fortbewegt. Die Spur der Schäden des im Süden der Stadt gebildeten Tornados sei Auswertungen zufolge etwa sieben Kilometer lang. Meist sei er über schwach bebautes Gebiet gezogen.

Quelle: "Kieler Nachrichten"

tis

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