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Landgericht Bautzen: Warum ging die Straußenlust flöten?

Kann ein Strauß durch lautes Knallen impotent werden? Sein sächsischer Besitzer sagt ja und will von den Kids, die das Tier erschreckt haben, 5000 Euro Schadensersatz. Der Streit um geplatzte Kükenträume fand nun ein überraschendes Ende.

Der Straußenhahn Gustav ist nach Ansicht eines Gutachters nicht wegen der Silvesterknallerei von drei Jugendlichen impotent geworden. Der Prozess um den wertvollen Vogel endete vor dem Landgericht Bautzen mit einem Vergleich zwischen dem Inhaber einer Straußenfarm und den Jugendlichen, die kurz vor Silvester 2005 auch Dachpappe und Steine in Gustavs Tiergehege warfen. Sie zahlen lediglich Tierarztkosten von 140 Euro und nicht wie gefordert 5.000 Euro Schadenersatz.

Gutachter: Spermienbildung bleibt von Krach unberührt

Nach Ansicht von Züchter Rico Gabel konnte der Vogel wegen des Vorfalles ein halbes Jahr lang nicht mehr für Nachwuchs unter seinen Hennen sorgen. Gutachter Christoph Kistner sagte dem Gericht, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Lärm und den ausbleibenden Jungtieren gebe. Strauße reagierten auf Krach zwar mit Stress und Panik und könnten sich auch einige Tage zurückziehen. Die Bildung von Spermien bleibe davon aber unberührt, sagte der Experte, der jahrelang Strauße in Afrika und Israel studierte. Ob sich Gustav selbst fortpflanzen will, konnte er nicht sagen. Nach der Silvesterknallerei war Gustav mehrere Tage apathisch, so dass Züchter Gabel einen Tierarzt rief. Seinen Einsatz zahlen die Jugendlichen aus dem Ort Lohsa. Der Besitzer wollte eigentlich 5.000 Euro, weil ihm nach seinen Worten 14 Jungtiere zum Preis von je 350 Euro entgingen.

Kistner sagte, es gehe um die Frage, warum die Hennen so lange keine Eier gelegt hätten. Dafür gebe es viele Ursachen. "In 95 Prozent der Fälle liegt das am richtigen Futter". Möglich sei auch, dass sich die Tiere an die neue Umgebung in Lohsa erst hätten gewöhnen müssen. Gabel hatte seine Straußenvögel kurz vor Jahresende 2005 in Polen gekauft. Wenn die Haupthenne Schwäche zeige, komme es unter den Hennen zu Hierarchie-Kämpfen, sagte der Experte. Dies könne eine weitere Ursache sein. Straußenhennen legten zu Jahresbeginn ohnehin fast keine Eier, was am sächsischen Klima und den kürzeren Tageszeiten liege. Schließlich könne Züchter Gabel auch nicht wissen, ob Gustav vielleicht nicht nachts versucht habe, seine Hennen zu befruchten. Das komme häufig vor, sagte der Experte.

AP/DPA / AP / DPA
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