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Beeindruckende Hilfsbereitschaft: Lkw-Fahrer helfen Suizid zu verhindern – mit außergewöhnlicher Aktion

Um einen Suizid-Versuch an einer Autobahnbrücke abzuwenden, organisierte die Polizei in Detroit eine besondere Sicherheitsmaßnahme: Sie ließ Lkw unter die Brücke fahren.

Von Linda Göttner

In der Nacht zum Dienstag spielte sich auf einer Autobahn in Detroit ein merkwürdiges Szenario ab: 13 Lkw parkten unter einer Brücke nebeneinander in einer Reihe. Dies war jedoch nicht ein Spaß übermütiger Trucker, sondern eine Aktion mit ernstem Hintergrund. Durch diese Maßnahme wollten die Fahrer sowie die Polizei verhindern, dass ein Mann auf der Brücke sich das Leben nimmt. Denn so würde er im Fall eines Sprunges nicht lebensgefährlich tief stürzen. Gleichzeitig erhielten die Polizisten dadurch die Chance, mit ein wenig Absicherung auf die suizidale Person einwirken zu können. Die Autobahn wurde vorher abgesperrt und die Lkw-Fahrer nach Eingang des Notrufes von der Polizei informiert. 

Die Maßnahme wird seit Jahrzehnten trainiert

So außergewöhnlich das Bild wirkt – die Aktion war keineswegs spontan. Denn die Michigan State Police nutzt diese Maßnahme schon seit 23 Jahren. Leutnant Mike Shaw erklärte dem Nachrichtensender Fox News, dass die Polizisten die Lkw zu der jeweiligen Brücke dirigieren, wo sie in einer Reihe angeordnet werden, um entlang der gesamten Brücke die Fallhöhe bei einem möglichen Sprung einer Person zu reduzieren. Dass diese Aktion den meisten Bürgern bislang unbekannt war, läge daran, dass die Polizei sich so lange wie möglich bedeckt halten wollte. Doch durch soziale Netzwerke und Smartphones sei dies mittlerweile kaum noch möglich.

Lkw-Fahrer kooperieren hilfsbereit

Für die sonst sehr beschäftigten Lkw-Fahrer sei es selbstverständlich, bei der Maßnahme zu kooperieren. "Niemand möchte jemanden sehen, der sich selbst das Leben nimmt, und wenn wenn man für ein paar Stunden seinen LKW unter einer Brücke parkt, um zu gewährleisten, dass jemand sicher ist, sind sie mehr als bereit, so etwas zu tun", sagte Shaw.

Während die Trucks bei dem Einsatz am frühen Dienstag unter der Brücke standen, konnten die Polizisten unter geringerer Anspannung mit dem Mann sprechen. Nach knapp drei Stunden verließ er die Brücke und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Auf Twitter postete die Polizeibehörde ein Foto von der Aktion mit der Beschreibung: "Das Foto zeigt die Arbeit, die Polizisten und lokale Beamte tun, um der Öffentlichkeit zu dienen. Aber das Foto zeigt auch einen Mann, der mit der Entscheidung kämpft, sich das Leben zu nehmen." Für Shaw soll die Aktion nicht nur die Hilfsbereitschaft der Trucker und Polizisten zeigen, sondern vor allem, dass suizidale Personen Hilfe bekommen und Lösungen finden können.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800/1110111 und 0800/1110222 erreichbar. Auch eine Beratung per E-Mail ist möglich.

Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.