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Mädchen überlebt Bärenangriff "Ich habe angefangen, sein Fell zu streicheln"


Zweimal hat ein Schwarzbär die 12-jährige Abby Wetherell attackiert, dann konnte das Mädchen aus Michigan schwer verletzt fliehen. Die tapfere Schülerin probierte gleich mehrere Rettungsideen aus.
Von Ina Linden

Es ist vorbei", sagt das Mädchen. "Ich werde nicht mehr allein in die Wälder gehen." Sie schaut fest in die Kamera. "Aber ich werde wieder dahin gehen."

Mit hundert Stichen sind Abby Wetherells Wunden genäht worden, nachdem ein Schwarzbär sie in einem Wald in Cadillac im US-Bundesstaat Michigan angefallen hat. Zweimal. Nach drei Tagen im Krankenhaus gibt sie dem Sender "ABC-News" ein Interview. Ihr linkes Auge ist blau geschlagen, darüber und darunter hat ihr der Bär zwei große Wunden gekratzt. "Ich habe angefangen, sein Fell zu streicheln", sagt die 12-Jährige und lacht. "Keine Ahnung, wie ich auf diese Idee gekommen bin. Wahrscheinlich dachte ich: Wenn ich ihn streichle, wird er mich mögen." Sie macht eine Pause. "Das hat aber nicht geklappt."

Jedes Jahr sterben Menschen durch Bär-Attacken

So spektakulär Amys Überleben ist, so tapfer hat sich dieses erst 12-jährige Mädchen verhalten. Sie joggte einen Waldpfad in der Nähe des Hauses ihrer Großeltern entlang, als pötzlich ein Schwarzbär vor ihr stand. Abby rannte schneller, doch das mehrere hundert Kilo schwere Tier verfolgte sie. Der Bär fiel sie an, traktierte ihren Körper mit seinen Klauen und warf sie zu Boden. "Ich dachte, das war es", sagt Abby. "Ich bin erledigt". Als das Tier sie für einen Moment in Ruhe ließ, stand sie auf und versuchte zu fliehen, doch sie kam nur wenige Meter weit. Sie versuchte, den Bär mit Streicheln zu besänftigen – und als das nichts nutzte, kam ihr die rettende Idee. "Ich hatte davon gehört, dass man sich tot stellen soll", sagt die 12-Jährige. "Das hab ich dann auch getan."

Bärangriffe auf Jäger und Wanderer sind in den USA keine Seltenheit. Jedes Jahr sterben mehrere Menschen durch Attacken von Braun- oder Schwarzbären. In Kanada und Alaska kommt es auch vereinzelt zu Konfrontationen mit Eisbären. In der vergangenen Woche sind sechs Menschen durch solche Raubtiere verletzt worden, berichtet ABC News. Braun- und Schwarzbären bereiten sich zur Zeit auf den Winterschlaf vor und sind dementsprechend hungrig und können vereinzelt aggressiv werden. Im Yellowstone National Park im Bundesstaat Wyoming registriert man sogar 64 Prozent mehr Angriffe als noch vor einem Jahr.

Abby sorgte sich um ihre Fußballmannschaft

Nachdem der Schwarzbär verschwunden war, konnte Abby endlich weinen. Sie lief nach Hause und schrie laut um Hilfe. "Ich konnte nicht glauben, dass sie ein Bär angegriffen hat, bis ich die blauen Flecke und die Klauenabdrücke gesehen habe", sagt Abbys Vater Chris sichtlich bewegt. Mit einem Hubschrauber wurde das Mädchen ins Munson Medial Center geflogen, wo die Ärzte gut zwei Stunden brauchten, um ihre Wunden zu versorgen. Mit mehr als hundert Stichen ist Abby am ganzen Körper genäht. Sie humpelt und geht an Krücken. Aber sie wird wieder gesund werden.

"Als der Bär mich angefallen hat, konnte ich nichts fühlen. Ich war wie betäubt", sagt Abby. Zum Glück hatte sie auch ganz andere Sorgen. Sie ist Torhüterin ihrer Schul-Fußballmannschaft und fragte sich im Moment der Todesangst, ob ihr Team wohl gewinnen würde, wenn sie nicht mehr spielte. Schließlich sei auch der Ersatztorwart zur Zeit verletzt. Mit einer Verstauchung.


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