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Eric Aniva, 40, HIV-positiv: Dieser Mann wird für die Entjungferung junger Mädchen bezahlt

Eric Aniva ist ungefähr 40 Jahre alt, lebt in einem kleinen Dorf in Malawi und wird dafür bezahlt, dass er junge Mädchen entjungfert. So verlangt es ein alter Brauch. Dabei ist der Mann mit HIV infiziert. 

Ein Brauch in Malawi verlangt, dass Mädchen mit einem "Hyäne" schlafen. Eric Aniva ist einer der "Hyänen".

Ein Brauch in Malawi verlangt, dass Mädchen gleich nach ihrer ersten Menstruation mit einem "Hyäne" schlafen. Eric Aniva ist einer der "Hyänen".

Eric Aniva ist ein Sexarbeiter der ganz besonderen Art. "Hyäne" nennt er sich. Er wird dafür bezahlt, junge Mädchen zu entjungfern. In einigen südlichen Gebieten von Malawi verlangt es die Tradition, dass ein Mädchen innerhalb von drei Tagen nach ihrer ersten Menstruation Geschlechtsverkehr ausübt. Dieser Vorgang soll den Übertritt ins Erwachsenenalter markieren. Weigern sich die Mädchen, drohen ihren Familien und Dörfern Krankheiten und Unglücke - so der verheerende Aberglaube.

Eric Aniva ist in seiner Gemeinde nur einer der zehn "Hyänen", die für den Vollzug dieses Rituals bezahlt werden, berichtet der britische Fernsehsender BBC in einer ausführlichen Reportage. Vier bis sieben Dollar bekommt er für jede Entjungferung. "Die Mehrheit der Mädchen, mit denen ich geschlafen habe, waren Schulmädchen", erzählte Aniva der BBC. "Manche von ihnen waren erst zwölf oder 13 Jahre alt, aber ich bevorzuge eigentlich ältere", so der 40-Jährige.

Auch Witwen müssen mit einem "Hyäne" schlafen

Aber nicht nur junge Mädchen müssen das sogenannte "Ritual der Reinigung" über sich ergehen lassen. Frauen, die ihren Ehemann verloren haben, werden dazu verpflichtet, mit einem "Hyänen" zu schlafen, bevor sie die Verstorbenen beerdigen können. Dasselbe wird Frauen abverlangt, die eine Abtreibung hinter sich haben.

Trotz des Zwangs, dem die Frauen unterliegen, ist Aniva überzeugt, dass der Beischlaf mit ihm den Betroffenen gefällt. "All diesen Mädchen bereitete es Vergnügen, dass ich ihr 'Hyäne' war", behauptete er in dem Interview mit der BBC.

"Es ist nicht unsere Entscheidung"

Seine eigene Frau, mit der Aniva ebenfalls das Ritual vollzogen hatte, bevor er sie heiratete, widersprach ihm: "Ich will, dass die Tradition beendet wird", sagte sie der BBC. "Wir werden gezwungen, mit den 'Hyänen' zu schlafen, es ist nicht unsere Entscheidung und es ist sehr tragisch für uns Frauen." 

Der Umstand, dass er HIV-positiv ist, stört Aniva bei der Ausübung seiner Aufgabe keineswegs. Gegenüber dem BBC-Reporter gab er dies freimütig zu. Kondome kämen dabei für ihn nicht in Frage. Schließlich verlange es die Tradition, dass das Ritual ohne Verhütung stattfindet. 

Hohe Verbreitung des HIV-Virus in Malawi

Tatsächlich herrscht der Aberglaube vor, dass die "Hyänen" von Gott auserwählt sind und daher nicht mit HIV infiziert sein können.

Die UN schätzt, dass jeder zehnte Malawier mit HIV infiziert ist. Der Brauch der "Hyänen" birgt ein hohes Risiko in sich, dass die Infektion weiter verbreitet wird. Laut einem Bericht von Unaids, einem Programm der Vereinten Nationen zu HIV, werden dabei Frauen viel häufiger infiziert als Männer. Beinahe 13 Prozent der Frauen in Malawi sind HIV-positiv. Bei den Männern sind es acht Prozent.

ivi
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