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Sprengungen gescheitert: Krankenhaus-Ruine will und will einfach nicht einstürzen

Ein altes Krankenhaus im bayerischen Marktoberdorf leistet erbitterten Widerstand gegen seine Zerstörung. Zwei Sprengungen sind bereits gescheitert. Jetzt muss die Abrissbirne ran.

Die Reste des Krankenhauses in Marktoberdorf

Die Reste des Krankenhauses in Marktoberdorf

Die Explosion ist gewaltig, das Resultat eher bescheiden. Nur ein Viertel des Marktoberdorfer Krankenhauses stürzt ein - obwohl das bereits die zweite ist. Unter den etwa 400 Schaulustigen erklingt Applaus. Sie freuen sich für die alte Ruine. Denn in den vergangenen Jahren hat sich das Krankenhaus zur einer Art Wahrzeichen des bayerischen Dorfes entwickelt.

Demonstrationen, Mahnwachen, Bürgerentscheid, Petitionen: Es gibt nichts, was die Einwohner nicht versucht haben, um die Klinik vor der Schließung zu bewahren. Vergeblich.  

2013 beschloss der der Verwaltungsrat der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, das Marktoberdorfer Haus zu schließen, berichtet der BR. Grund waren anhaltend hohe Millionendefizite im Klinikverbund.

Bausubstanz setzt dem Sprengmeister zu 

Vor knapp zwei Wochen erfolgte dann der erste Sprengversuch. Doch rund 20 Prozent des Gebäudes blieben stehen. Die Bausubstanz des 50 Jahre alten Hauses war der Grund.

Am vergangenen Mittwoch wagte dann der Sprengmeister Olaf Hoyer einen zweiten Anlauf. Doch wieder blieb ein Teil des Krankenhauses stehen. Man habe so viel Sprengstoff eingesetzt, wie aus Sicherheitsgründen noch vertretbar gewesen ist, erklärte Hoyer. Dies habe aber nicht ausgereicht. 

"Es wäre natürlich schöner und besser gewesen, wenn wir noch einmal hätten Bohrlöcher machen können. Aber das war nicht mehr möglich in dem Zustand", sagte er dem BR.Die Erschütterungen durch das Bohren wären zu gefährlich gewesen.

Akute Einsturz- und Lebensgefahr 

"Natürlich kratzt mich das an der Ehre und ich hätts jetzt gerne daliegen gehabt. Gerade weil wir das berechnet haben, Zeit aufgewendet haben. Da ärgersts mich schon sehr, dass wir keinen Erfolg hatten. Das ist erste Mal in meiner Laufbahn, dass mir eine Nachsprengung so misslingt", so der Sprengmeister.

Nun muss doch die Abrissbirne kommen: "Der Zustand ist jetzt so, dass sicher mit dem Bagger abgebrochen wird. Wir denken da an eine Abrissbirne mit einem entsprechend langen Ausleger. Das ist das sicherste, jetzt in dem Zustand. Denn wir können nicht mehr nah ran."

Die Einwohner werden eindringlich davor gewarnt, die noch stehenden Gebäudeteile zu betreten. Dort herrsche akute Einsturz- und Lebensgefahr.

Bagger vs. marodes Gebäude: Kann dieser Abriss gut gehen?
ivi
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