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New Orleans: Jazz, Leben und erste Einwohner kehren zurück

Fast drei Wochen nach Hurrikan "Katrina" sollen an diesem Wochenende die ersten Geschäfte im French Quarter wieder eröffnet werden. Doch wo einst Jazz-Kneipen und Sex-Clubs waren, kehrt der Alltag nur langsam zurück.

Als Hurrikan "Katrina" über New Orleans fegte, mussten die beiden letzte Gäste in "Johnny White’s Sports Bar" mit Hand anlegen. Gemeinsam mit Wirtin Marcy Ramsey und dem Barkeeper drückten sie von innen mit aller Kraft gegen die bedrohlich wackelnden Türen. Die Kneipe an der Bourbon Street im historischen French Quarter von New Orleans schrieb Geschichte, weil sie auch nach Flut und Stromausfall mit lauwarmem Bier über die Chaos-Tage hinwegtröstete.

In den nächsten zehn Tagen können jetzt alle Bewohner und Geschäftsleute wieder zurückkehren und Leben in das Touristenviertel bringen. "Wir beginnen, wieder zu atmen", sagt Bürgermeister Ray Nagin. Fast drei Wochen nach Hurrikan "Katrina" kommen an diesem Wochenende die ersten Geschäftsleute zurück. Wer einen Laden oder ein Restaurant im French Quarter betreibt, darf von 8.00 Uhr morgens bis 18.00 Uhr abends dort mit dem Aufräumen und Reinigen beginnen.

Bürgermeister: Jedes Risiko vermeiden

Das French Quarter mit seinen historischen Fassaden, ein pulsierender Mikrokosmos voller Jazz-Kneipen, Piano-Bars, Hotels, Restaurants, Sex-Clubs und Galerien, könnte wegen der geringen Schäden eigentlich längst wieder zum geordneten Tag- und Nachtleben übergehen. Aber Nagin scheut jedes Risiko. Schritt für Schritt möchte er die historischen Häuser an die Stromversorgung anschließen, damit nicht ein Großfeuer vernichtet, was den Hurrikan überstanden hat. "Wenn ein Feuer ausbrechen würde, könnten wir viel von dem verlieren, was wir in der Stadt schätzen", sagt Nagin.

Auch in andere Stadtteile wie Algiers werden drei Wochen nach der Flutkatastrophe schrittweise wieder mehr als 180.000 der rund 500.000 Einwohner zurückkehren.

Alice Storey wird nicht darunter sein. Die 54-jährige Afroamerikanerin stammt aus einem Armenviertel in New Orleans, das bis heute noch unter Wasser steht. Die 54-Jährige, ihre drei Kinder und fünf Enkelkinder fanden Unterschlupf im Astrodome von Houston (Texas), der größten Notunterkunft in der Geschichte der USA.

"Zuerst standen alle Betten ganz eng beieinander, jetzt haben wir mehr Platz", sagt Storey. Aus einem tragbaren Radio mit CD-Spieler dringt Gospel-Musik von Smokie Norful, und auf der Metallpritsche neben Storey liegt eine Bibel. Beides sind Spenden.

Astrodome wird geräumt

Auch mit dieser kleinen Familienidylle an einem unwirtlichen Platz wird es am Wochenende vorbei sein. Der Astrodome und eine benachbarte Notunterkunft in dem riesigen Sportkomplex von Houston sollen bis Samstag geräumt werden. Am Sonntag trifft das Football- Team der "Houstan Texans" zu Hause auf die "Pittsburgh Steelers". Die restlichen Insassen des Astrodomes bekommen nach Angaben der Behörden eine Wohnung oder werden auf andere Notunterkünfte aufgeteilt.

Am 4. September, nachdem der größte Strom von Verzweifelten aus New Orleans in Houston eingetroffen war, beherbergte der Astrodome 17.500 zumeist arme, schwarze und obdachlose Menschen. Am Donnerstag waren es noch 779.

"Niemand hat zuvor eine Notunterkunft von dieser Größe aufgebaut. Eine ganze Stadt innerhalb von 36 Stunden zu schaffen, ist nicht die einfachste Sache", sagt rückblickend der für die Notunterkünfte in Houston zuständige US-Militärkommandeur Joe Leonard.

Aufbruchstimmung trotz Schwierigkeiten

Während Menschen wie Storey erst in Wochen oder Monaten nach New Orleans zurückkehren können, herrscht im French Quarter schon Aufbruchstimmung. Das Ehepaar Evelyn und Gunter Preuss will das feine Restaurant "Broussard's" im French Quarter am 1. Oktober, möglicherweise sogar noch früher wieder öffnen. Ein Problem seien bislang noch die fehlenden Angestellten, sagt Preuss dem Nachrichtensender CNN. Um die Kundschaft macht er sich weniger Sorgen, weil viele Hände in der Stadt gebraucht würden.

Hans Dahne, DPA / DPA
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