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Funde an der Nordsee Wie am Strand angespülte Urnen aus Deutschland den Niederländern Rätsel aufgaben

Deutsche Urnen an niederländischem Strand angeschwemmt
Über Behälter mit der Asche Verstorbener aus einem deutschen Krematorium, die an einem Strand angeschwemmt wurden, haben die Niederländer über den Jahreswechsel gerätselt (Symbolbild)
© Ingo Wagner / DPA
Wie kommt die Asche verstorbener Deutscher an einen Strand in den Niederlanden? Dieses Rätsel hat unsere Nachbarn über den Jahreswechsel beschäftigt. Sogar die Staatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet.

Eigentlich wollten der 14-jährige Maarten van Duijn und sein Vater am Strand von Noordwijk Robben beobachten. Was sie stattdessen entdeckten, darüber konnten die Niederländer über den Jahreswechsel trefflich rätseln. Im Sand lag eine massive schwarze Box. Eine darauf angebrachte Plakette gab Gewissheit darüber, worum es sich handelte - und dem jungen Maarten dürfte kurz der Schreck in die Glieder gefahren sein. Es handelte sich nämlich um eine Urne aus dem Krematorium im mecklenburg-vorpommerschen Greifswald. Wie aber gelangt die Asche eines verstorbenen Deutschen an einen niederländischen Nordseestrand?

Diese Frage wurde noch drängender, nachdem Vater und Sohn van Duijn das Nachrichtenportal "Kustnieuws" über ihren Fund informiert hatten. "Kustnieuws" nahm das Thema auf und berichtete darüber auf seiner Facebook-Seite. Auch andere niederländische Medien berichteten über den "bizarren Fund". Die Folge: Rasch gab es Meldungen von zwei weiteren Urnen-Entdeckungen am Strand. Alle drei stammten aus dem Greifswalder Krematorium. Doch wie die Behälter die rund 800 Kilometer zwischen den beiden Orten zurücklegen konnten, wurde während der Feiertage zunächst nicht geklärt.

Finder übergibt Asche dem Meer

Während zwei der Urnen den Behörden übergeben wurden, beteiligte sich einer der Finder gar nicht erst an der allgemeinen Rätselei. Der Mann, laut einem Bericht der "Ostsee-Zeitung" ein Fischer, öffnete kurzerhand die von ihm entdeckte Urne und übergab die Asche des oder der Verstorbenen dem Meer. Dass die Urnen durch eine Panne bei der Seebestattung an den Nordseestrand zwischen Noordwijk und Katwijk gelangt waren, war schnell vermutet worden. Dagegen sprach allerdings, dass die Behälter nach deutschem Recht nicht für eine Seebestattung geeignet waren.

In Deutschland sind Seebestattungen nur in biologisch abbaubaren Urnen erlaubt, erläuterte Andreas Neumann von der Reederei Teßnow in Peenemünde der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Diese bestünden aus einem Salz-Ton-Gemisch oder aus einem Pappmaterial, das sich innerhalb weniger Tage auflöst. Zum Teil würden Urnen beschwert, um sicherzugehen, dass sie auch untergehen. Einige Angehörige versuchen jedoch den Wunsch ihrer verstorbenen Lieben zu erfüllen, ihre Asche direkt ins Meer zu geben.

Reederei ist die Panne peinlich

Möglich ist das für Deutsche jedoch nur über den Umweg ins Ausland - nicht selten über die Niederlande, wo es erlaubt ist, die Asche im Meer zu verstreuen. So auch in diesem Fall. Die Reederei Trip Scheepvaart in Scheveningen war mit der sogenannten anonymen Seebestattung, bei der die Angehörigen nicht anwesend sind, beauftragt worden. Und die Reederei gestand nun eine peinliche Panne ein. Der Karton mit den Urnen sei nass geworden und einem Mitarbeiter daher von der Reeling ins Meer gerutscht, berichtete Silvia Roos von der Reederei der DPA. "Der Vorfall ist uns sehr unangenehm", so Roos.

Die Reederei überlegt derzeit intensiv, wie man sich bei den Angehörigen in angemessener Form entschuldigen kann. Die Staatsanwaltschaft Stralsund prüft, ob der Tatbestand der Störung der Totenruhe vorliegt. Bisher sieht man für Ermittlungen aber noch keinen Ansatzpunkt, ließ die Behörde wissen. Inzwischen wurde auch die Asche eines zweiten Verstorbenen dem Meer übergeben; eine dritte Seebestattung ist geplant. Das Rätsel der deutschen Urnen am niederländischen Strand hat eine einfache Erklärung gefunden.

Quellen: DPA / "Kustnieuws" / "Ostsee-Zeitung" / "RTLNieuwsNL"

dho

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