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Polizeiarbeit: Wie Scotland Yard die Attentäter jagt

"Es wird die größte, intensivste und gezielteste Untersuchung in der Geschichte der britischen Polizei", zitierte der "Daily Mirror" eine Quelle bei Scotland Yard.

Nach den Angaben jagen mehr als 1000 Beamte der Londoner Polizei und anderer Sicherheitsdienste die Attentäter, die am Donnerstag über 50 Menschen in den Tod bombten. Große Hoffnungen richten sich dabei vor allem auf die Kriminaltechniker, die in den kleinsten Trümmerstückchen nach Hinweisen auf die möglichen Täter suchen.

"Attentäter sind sicher gefilmt worden"

Für Informationen über die Tat kommt fast jede Quelle in Frage. Dazu gehören etwa fast eine Million benutzter Zugfahrkarten, die die Verkehrspolizei sichergestellt hat. Sie sollen auf die Fingerabdrücke möglicher Attentäter bei ihrer Anreise nach London untersucht werden. Andere Ermittler werden sich mehrere hundert Stunden lang Filme der zahlreichen Überwachungskameras anschauen, die in den Londoner U- Bahnstationen und an belebten Plätzen der Stadt installiert sind. "Die Attentäter sind auf ihrer Fahrt zur und von der U-Bahn ganz sicher von Kameras eingefangen worden. Weil sie nicht maskiert waren, werden wir sehr gute Bilder von ihnen bekommen, anhand derer sie identifiziert werden", sagte Andy Hayman von der Londoner Polizei.

Kriminaltechniker haben nach Angaben der "Times" bereits säckeweise mögliche Beweismittel an den Tatorten sichergestellt. "Bislang haben wir schon eine Tonne Material, dass wir untersuchen werden", sagte ein Sprecher von Scotland Yard der Zeitung. "Was wir brauchen, ist dieser erste praktische Anhaltspunkt, damit wir anfangen können, das Puzzle zusammenzufügen."

Auch Haut der Opfer wird sichergestellt

Anhand der kleinen und kleinsten Stückchen kann etwa mittels chemischer oder gentechnischer Untersuchungen herausgefunden werden, welche Art von Bombe mit welcher Art von Sprengstoff und Zünder die Attentäter zuschlugen. Bei den Beweismitteln handelt es sich beispielsweise um Metallsplitter des in die Luft gesprengten Busses, die in den Wänden von Häusern steckten, die noch viele Meter vom Tatort entfernt stehen. Aber auch die Haut und Kleidung der Opfer gehören dazu. "Ich fürchte, man muss wirklich alles sicherstellen, was man finden kann", sagte ein Ermittler.

Jede Bombe trage die Handschrift ihres Bauers, weshalb die britische Polizei ihre Kollegen in ganz Europa jetzt um die Ermittlungsunterlagen jüngster Anschläge gebeten habe, um diese Informationen mit den eigenen Erkenntnissen zu vergleichen. Auch die Reste der wahrscheinlich verwendeten Rucksäcke, in denen die Bomben lagen, stehen ganz oben auf der Fahndungsliste, um den Attentätern etwa durch deren Herkunftsort auf die Schliche zu kommen.

Alles wird Zeit brauchen

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen wird allerdings Wochen in Anspruch nehmen, weshalb Experten vor Hoffnungen auf schnelle Fahndungserfolge warnen. "Die Kriminaltechnik hat sich in den vergangenen zehn Jahren enorm weiterentwickelt. Jetzt können wir Antworten auch von mikroskopisch kleinen Spuren bekommen, aber dies ist kein schneller Prozess", sagt der britische Kriminalexperte Peter Yapp. Seine Hoffnung und die der Ermittler ist diese: "Manchmal machen die Attentäter einen Fehler und hinterlassen einen klitzekleinen Anhaltspunkt, obwohl sie glauben, sie haben an alles gedacht, um ihre Spuren zu verwischen."

Jörg Berendsmeier/DPA / DPA
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