Seilbahn-Unglück Sölden Pilot verurteilt


Mit einer vergleichsweise milden Strafe ist der Hubschrauber-Pilot davon gekommen, der über einem Söldener Lift einen Betonkübel verloren hatte. Bei dem Unglück waren neun Menschen gestorben.

Der Hubschrauberpilot, der das Seilbahnunglück von Sölden verursacht hatte, ist am Donnerstag zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Innsbrucker Richter erkannte auf "fahrlässige Gemeingefährdung", der Anklagepunkt der fahrlässigen Körperverletzung fallengelassen. Der 36-Jährige hatte beim Flug über die Liftanlage von Sölden einen fast 700 Kilogramm schweren Betonkübel verloren. Neun deutsche Wintersportler, darunter sechs Kinder, kamen ums Leben.

Der Angeklagte wies die Vorwürfe im Prozess zurück. Aus seiner Sicht habe es keine Alternative zu der Flugroute über die Seilbahn gegeben. Nach der Urteilsverkündung erbat sich der Angeklagte Bedenkzeit, Staatsanwalt und Nebenkläger gaben keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete.

"Die beste Route"

"Es tut mir sehr, sehr Leid, was passiert ist", sagte der Pilot laut APA in dem beinahe bis auf den letzten Platz besetzten Schwurgerichtssaal des Innsbrucker Landesgerichts. "Ich hätte alles getan, um es rückgängig zu machen", erklärte er und entschuldigte sich bei den anwesenden Angehörigen der Opfer und den Überlebenden. Bei der von ihm gewählten Flugroute über die Seilbahn habe er kein Problem gesehen, erklärte der 36-Jährige. "Es war aus meiner Sicht die beste Route." Er hätte ansonsten die Piste oder Wege, auf denen überall Personen unterwegs gewesen seien, überfliegen oder zu steil mit dem Hubschrauber aufsteigen müssen.

Der Betriebsleiter der Gletscherbahn habe auf seine Frage hin erklärt, dass er über die Seilbahn fliegen dürfe. Er habe allerdings bei jedem Flug darauf geachtet, dass er nicht über eine Gondel fliege, sagte der Pilot weiter. Zwischen 100 und 150 Meter sei er mit dem Metallkübel über der Bahn geflogen: "Es ist unmöglich, dass der Kübel das Seil gestreift hat."

Anklage: Förderseil getroffen

Die Anklage ging hingegen davon aus, dass der Pilot Schutzvorschriften verletzt habe, als er mit dem Hubschrauber über die Seilbahn flog. Auf Grund einer Fehlfunktion der Auslösevorrichtung habe er seine Außenlast verloren. Der mit Beton gefüllte Kübel sei auf den talwärts führenden Förderstrang der Liftanlage geprallt, zitierte APA weiter aus der Anklage. Dadurch sei das Seil in starke Schwingung geraten und eine mit fünf Fahrgästen besetzte Gondel vom Förderseil gerissen worden und aus rund zehn Metern Höhe in die Tiefe gestürzt.

Zwei weitere Gondeln, in denen sich 13 Fahrgäste befanden, seien derart aufgeschaukelt worden, dass sieben Personen aus ihrer Kabine geschleudert worden seien. In dem Fall sind auch zwei Zivilverfahren gegen die Ötztaler Gletscherbahnen und das Hubschrauberunternehmen anhängig. Beide wurden bis zum rechtskräftigen Abschluss des Strafprozesses unterbrochen.


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