HOME

Southend-On-Sea: Englische Paare können plötzlich aus ihren Gärten startenden Flugzeugen zuschauen

Der Southend-Airport im Süden Englands hat seine Startbahn vergrößert. Deshalb führt sie plötzlich direkt an den Gärten mehrerer Anwohner vorbei, die seither von Lärm und Benzingestank geplagt werden.

Alex und June Carr in ihrem Garten – neben dem Rollfeld des Flugplatzes

Alex und June Carr in ihrem Garten – neben dem Rollfeld des Flugplatzes

Action Press

Die meisten von uns sind froh, wenn es in der Nähe einen Flughafen gibt, von dem aus man unkompliziert in den Urlaub entschweben kann. Viele Flugzeug-Fans – sogenannte Planespotter – kommen allein wegen der Flieger an den Airport und schießen begeistert Fotos von Starts und Landungen. Aber Flughäfen machen Menschen nicht nur froh: Der Lärm der riesigen Maschinen macht Anwohner krank und mürbe. Aber was einige Menschen aus dem englischen Essex derzeit erleben, geht über den störenden Fluglärm noch einmal hinaus. Und zwar deutlich.

Was die Anwohner erleben, ist mehr als nur Lärm

Mit dem benachbarten Southend Airport hatten sich die Paare Alex und June Carr sowie Paul und Janet Marchant, die beide in der Wells Avenue in Southend-On-Sea Häuser mit Gärten besitzen, längst abgefunden. Der dazugehörige Krach war nicht angenehm, aber für die älteren Anwohner längst zur Gewohnheit geworden. Er hielt speziell die 67-jährige Janet nicht davon ab, sich leidenschaftlich ihrem Garten zu widmen. Doch 2017 begann man, den Flughafen umzubauen und die Startbahn zu vergrößern. Sie wurde länger und breiter und reichte plötzlich fast bis an den Gartenzaun der Carrs und der Marchants.

Alex und June Carr tauschen sich mit Nachbarin Janet Marchant aus

Alex und June Carr tauschen sich mit Nachbarin Janet Marchant aus

Action Press

Nach dem Flughafenumbau starten etwa 50 Flieger pro Tag direkt neben den Wohnhäusern der beiden Paare. "Man kann sich im Garten nicht mehr unterhalten, weil man sich gegenseitig nicht mehr hören kann", klagt Janet Marchant. "Selbst drinnen im Haus, bei geschlossenen Türen, müssen wir beim Fernsehen auf Pause drücken, bis der Flieger gestartet ist." Grillpartys und Besuche der Enkel sind seither drastisch seltener geworden – verständlicherweise. Janet ist niedergeschlagen: "Ich liebe meinen Garten und habe dort viel Zeit verbracht, aber jetzt ist durch den Lärm und den Gestank alles verdorben."

Angekündigt worden war dieses Ausmaß der Airport-Vergrößerung den Anwohnern nicht. Die Rentnerin Janet erinnert sich, wie sie eines Morgens die Gardinen des Küchenfensters beiseite zog und ungläubig rief: "Da ist ein verdammter Jet in unserem Garten!" Sie beschwerte sich im Forum auf der Website des Airports über den unerträglichen Lärm, der die Anwohner täglich ab sechs Uhr aus dem Schlaf reiße. Die Antwort des Flughafens kam per Post: In einem Brief forderte man Janet Marchant auf, solche Kommentare zu unterlassen.

Janet Marchant soll sich nicht im Internet beschweren

Ein Sprecher des Southend Airports sagte der Zeitung "Independent": "Uns ist bewusst, dass die Grundstücke an der Wells Avenue sehr nah an der Landebahn gebaut wurden. Wir sind aktuell bemüht, mit diesen Anwohnern in vierteljährlichen Treffen Probleme zu klären und untersuchen aktiv Maßnahmen, den Lärm zu reduzieren." Geholfen hat das bisher weder den Marchants noch den Carrs. Und der Sprecher des Flughafens macht wenig Hoffnung auf Besserung in der Zukunft: "Der Airport hat ehrgeizige Pläne, weiter zu wachsen." Southend-On-Sea ist nicht weit von London entfernt und hat darum eine interessante Lage für viele Airlines.

Janet Marchant hat bereits über den Verkauf ihres Grundstücks nachgedacht. Aber wer kauft ein Haus, das direkt neben dem Rollfeld eines Flughafens steht? "Man macht sich natürlich Gedanken, wenn man ein Haus besichtigt und am Ende des Gartens ein riesiges Flugzeug vorbeirollt", sagt sie bitter.

Quelle: "Independent"

Flamingo hält Flugverkehr in Palma de Mallorca auf
wt
Themen in diesem Artikel