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Sri Lanka: "Die Not wird größer"

Das Lebensnotwendigste kann man in den Tsunami-Krisengebieten im Moment auch für Geld kaum kaufen - Wasser, Nahrung, Medikamente. Hilfsgüter und Spenden werden nur schleppend verteilt.

Mit zwei leeren Wasserflaschen winkt verzweifelt ein junger Mann, der am Rand der Küstenstraße von Colombo nach Galle steht. Ein Bild, das sich am Freitag in der von der Flut besonders betroffenen Region Galle ständig wiederholt. Denn nach der Überschwemmungskatastrophe auf Sri Lanka werden Wasser und Nahrungsmittel knapp. Ganze Familien belagern die Autofahrer, wenn der Verkehr auf der teilweise zerstörten Straße stockt. Sie bitten um Kekse und Wasser, seltener um Geld. Denn das Lebensnotwendigste kann man in den Krisengebieten auch für Geld kaum kaufen.

"Wir warten schon seit drei Tagen auf Wasser und Essen", berichtet der 32-jährige Ratith Raja und bittet um einen Keks für seine kleine Tochter. In den ersten zwei Tagen nach der Flut seien sie noch gut versorgt worden. "Doch danach ist niemand mehr gekommen." Wenig später hält jedoch ein Kleinbus bei der Siedlung. Mitglieder einer privaten Initiative verteilen Reis. Raja kann zwei Päckchen für seine vierköpfige Familie ergattern.

Eine Flasche Wasser pro Tag

Ein wenig besser ist die Lage etwa 30 Kilometer weiter bei Pater Wickrema Fonsika, der seine Kirche Sankt Sebastian den Not leidenden zur Verfügung gestellt hat. Dort nächtigen seit der Katastrophe bis zu 500 Menschen. "Gestern wurde die Wasserleitung repariert, nun haben wir wenigstens sauberes Wasser", erzählt der 45-Jährige. Essen sei jedoch ebenso knapp wie Medikamente und Verbandsmittel, um infizierte Wunden zu versorgen.

"Die Not wird größer in den Krisengebieten", sagt auch Kamal de Silva, der im Auftrag des Informationsministeriums die Lage erkundet. Die Hilfsorganisationen und die Regierung hätten nicht mehr genügend Vorräte, um die Menschen ausreichend zu versorgen. "Manche Familien müssen pro Tag mit einer Flasche Wasser auskommen", sagt de Silva.

Experten erwarten die ersten Seuchenausbrüche. Denn Häuser und Toiletten sind zerstört, die Regenzeit hat eingesetzt. "Der Regen verteilt die Exkremente überall und sorgt so für die Ausbreitung von Krankheitskeimen", erläutert de Silva.

Der Wiederaufbau beginnt

In der schwer zerstörten Stadt Galle liegen auf einer Wiese neben dem Stadion immer noch Wasserleichen. Gerichtsmediziner entnehmen Gewebeproben, um die Toten möglicherweise identifizieren zu können. In der ganzen Stadt hält sich Verwesungsgeruch. Denn noch immer liegen unter Schuttbergen ungeborgene Leichen. Aus zerborstenen Leitungen fließt Wasser, das den Menschen aber nicht hilft. Es ist durch Meerwasser verunreinigt.

Es gibt in dem Katastrophengebiet aber auch deutliche Zeichen des Neubeginns. Reinigungstruppen der Stadt tragen in Galle nach und nach die Schuttberge ab. Die Fischer holen die Netze aus ihren an Land gespülten Kuttern, um sie zu reinigen. Inhaber fegen den Schlamm aus ihren nicht zerstörten Hotels und Geschäften. "Wir wissen noch nicht, woher wir das Geld nehmen sollen, um das alles wieder herzurichten", sagt Lakwhitatha Senaratne, der mit seinem Onkel zusammen einen Imbiss direkt im Zentrum betreibt. "Aber wir wollen wenigstens schon mal anfangen."

Klaus Peters/DPA / DPA
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