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Flutkatastrophe: Millionen warten noch immer auf Hilfe

Auch eine Woche nach der Flutkatastrophe in Südasien haben die internationalen Hilfslieferungen viele Opfer noch nicht erreicht. Auf Sri Lanka soll zudem die Cholera ausgebrochen sein - doch die Regierung dementiert.

Eine Woche nach der Flutkatastrophe warten Millionen Überlebende in einigen betroffenen Gebieten in Südasien noch immer auf dringend benötigte Hilfe. Viele Gebiete sind von den Versorgungsrouten der Rettungsorganisationen abgeschnitten, berichten Sprecher von Hilfsorganisationen. Nachbeben sorgen zudem für eine zusätzliche Traumatisierung der Überlebenden. Am Sonntagmorgen erschütterten drei Nachbeben mittlerer Stärke die indischen Inseln Nicobar und Andaman. Berichte über erste Fälle von Cholera auf Sri Lanka wurden am Sonntag jedoch offiziell dementiert. Andauernde Regenfälle in den Katastrophengebieten ließen die Seuchengefahr aber weiter steigen.

Nach Angaben von Sri Lankas Gesundheitsminister Nimal Siripala de Silva seien in seinem Land weder Cholera noch andere Seuchen ausgebrochen. De Silva sagte am Sonntag bei einem Besuch in der verwüsteten Stadt Galle, rund 120 Kilometer südlich von Colombo: "Es gibt keinen einzigen bestätigten Fall von Cholera." Ein Sprecher der Hilfsorganisation World Vision hatte am Samstag gesagt, in einem Auffanglager in Galle habe ein Arzt vier Cholera-Fälle diagnostiziert. Vor dem Minister hatte auch das zuständige Krankenhaus in Sri Lanka einen Ausbruch von Cholera in einem Auffanglager dementiert.

Heftige Regenfälle auf Sri Lanka

Auf Sri Lanka erschwerten heftige Regenfälle schon den zweiten Tag in Folge die Hilfsarbeiten und ließen die Gefahr von Seuchen weiter steigen. "Die Zahl der Flüchtlinge allein in der von uns betreuten Krisenregion Galle hat sich in den letzten Tagen verzehnfacht", sagte Sönke Weiß, Sprecher der Hilfsorganisation World Vision, am Sonntag in Sri Lankas Hauptstadt Colombo. Zunächst sei man von 200.000 Obdachlosen in dieser Region ausgegangen, inzwischen seien es aber zwei Millionen Menschen. Auf Sri Lanka wurden bislang 28.475 Tote gemeldet, Helfer befürchten dort jedoch mehr als 42.000 Opfer.

Angesichts der konstant hohen Vermisstenzahlen scheinen sich Befürchtungen zu bewahrheiten, die Flutwelle könnte in der Katastrophenregion um den Indischen Ozean insgesamt deutlich mehr als 165.000 Menschen getötet haben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden insgesamt bis zu fünf Millionen Menschen obdachlos.

In Thailand sind derzeit alleine in vier provisorischen Leichenhallen in der besonders schwer getroffenen Provinz Phang Nga knapp 7000 Tote aufgebahrt, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur DPA am Sonntag. Die offiziell bestätigte Zahl der Todesopfer in Thailand lag am Samstag bei rund 4800, davon rund die Hälfte westliche Ausländer. Helfer im Krisengebiet hatten aber die Befürchtung geäußert, dass durch die Wassermassen weit mehr als 10.000 Menschen starben.

Die Regierung in Jakarta befürchtet bis zu 100.000 Fluttote in Indonesien. Ungeachtet eines wachsenden Stroms von Hilfsgütern sind zahlreiche Gebiete in der Katastrophenregion auf der indonesischen Insel Sumatra nach Medienberichten zunächst weiter ohne Unterstützung von außen. Früher dicht besiedelte Gegenden außerhalb der Provinzhauptstadt Banda Aceh seien noch immer von der Außenwelt abgeschnitten, meldete die Zeitung "Kompas" am Sonntag. Am Samstag war bekannt geworden, dass rund 200 Menschen in Auffanglagern möglicherweise an Cholera erkrankt seien.

Die internationalen Hilfszahlungen und Zusagen an Finanzmitteln belaufen sich mittlerweile auf mehr als zwei Milliarden Dollar (etwa 1,5 Milliarden Euro). Allein Japan stockte seine Hilfe auf 500 Millionen Dollar auf und ist damit der größte Einzelgeber.

Der Lazarett-Airbus "MedEvac" der Bundeswehr ist am Sonntagmorgen mit 38 Verletzten aus der Katastrophenregion Phuket an Bord in Köln/Bonn gelandet. Sie sollten auf umliegende Krankenhäuser in der Region verteilt werden. Der Airbus sollte noch am Sonntag wieder in Richtung der thailändischen Hauptstadt Bangkok starten, um neue Verletzte aufzunehmen. Bereits am Freitag hatte der Jet 49 Opfer der Flut nach Köln gebracht.

DPA / DPA