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Cholera: Die Zeit der Seuchen hat begonnen

Südasien droht weiter Gefahr: Rund 200 Menschen in indonesischen Auffanglagern sind wegen schlechter hygienischer Bedingungen möglicherweise an Cholera erkrankt. Auch aus Sri Lanka werden vier Cholera-Fälle gemeldet.

Nach der verheerenden Flutwelle in Asien sind zahlreiche Überlebende in Indonesien möglicherweise an Cholera erkrankt. Mehr als 200 Menschen in Auffanglagern in der verwüsteten Provinzhauptstadt Banda Aceh litten unter Symptomen, die der schweren Durchfallerkrankung ähnlich seien, meldete die Zeitung "Media Indonesia" am Samstag unter Berufung auf Ärzte.

Für Sri Lanka sind die ersten Fälle von Cholera bereits bestätigt. Der Sprecher der Hilfsorganisation World Vision, Sönke Weiss, sagte der dpa am Samstag, in einem Auffanglager in der Stadt Galle habe der dortige Arzt vier Fälle diagnostiziert. "Wir befürchten, dass sich Cholera in der Region wie ein Lauffeuer verbreiten wird." In dem Lager mit rund 1500 Menschen sind 300 bis 500 Waisenkinder untergebracht. Galle liegt etwa 120 Kilometer südlich der Hauptstadt Colombo.

Angaben von Helfern zufolge fehlt es in den Notquartieren an sauberem Wasser, die hygienischen Bedigungen seien schlecht. Eine Cholerainfektion entsteht meist durch mit Fäkalien verunreinigtes Trinkwasser. Heftiges Erbrechen und Durchfall führen zu starkem Flüssigkeitsverlust, der Kreislaufversagen verursachen kann. Auch Typhus, Ruhr, Dengue-Fieber und Malaria drohen.

Besonders Kinder und alte Menschen gefährdet

Die hunderttausenden Verletzten und Obdachlosen sind nach Angaben von Helfern so geschwächt, dass sie bei dem derzeitigen Ausbruch von Durchfall- und Infektionskrankheiten kaum eine Chance haben. Besonders Kinder und ältere Menschen schweben in akuter Gefahr, berichtete das Care-Nothilfeteam am Samstag aus Banda Aceh in Indonesien.

"Viele Kinder leiden bereits an extremen Durchfallerkrankungen und brauchen dringend Hilfe", sagte Brenda Langdorn, Programmdirektor von Care International in Indonesien. Das Eindringen von Meerwasser in das Trinkwassersystem, das feucht-schwüle Klima der Regensaison und die unzähligen ungeborgenen Leichen seien eine fatale Kombination. Das derzeit der Bevölkerung zur Verfügung stehende Wasser beeinhalte bis zu 50 verschiedene Krankheitserreger.

Die Hilfe für die Flut-Überlebenden wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Bislang sei erst ein Drittel der betroffenen Region zugänglich. Es wird dringend sauberes Trinkwasser, beispielsweise durch Wasseraufbereitungsanlagen, benötigt, um die Seuchengefahr einzudämmen. Die indonesische Regierung rechnet mit 100.000 Toten im Land, offiziell bestätigt waren bislang 80.000 Opfer.

DPA/AP / AP / DPA