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Rettung in Thailand: Erst als alle an der Oberfläche sind, ist es vorbei - ein Land liegt sich in den Armen

Jetzt sind alle frei: Die zwölf Jungen der in der thailändischen Höhle eingeschlossenen Fußballmannschaft und ihr Trainer sind gerettet. Die Aktion schweißt ein ganzes Land zusammen.

Von Raphael Geiger, Tham Luang - Khun Nam Nang Non (Thailand)

Erleichterung in Thailand: Die Helfer haben alle Eingeschlossenen aus der Höhle befreit

Erleichterung in Thailand: Die Helfer haben alle Eingeschlossenen aus der Höhle befreit

DPA

Ganz am Ende kommt der Trainer aus der Höhle, Ekaphol Chantawong, genannt Ek. Der Mann, dem die zwölf Jungen wohl ihr Leben verdanken. Er überließ ihnen das Essen, das sie mithatten, er meditierte mit ihnen zur Beruhigung.

Wenn man mit Wegbegleitern von Ek gesprochen hat, ist es nicht überraschend, dass dieser Mensch die Höhle von Tham Luang erst verlässt, als seine Schützlinge vollzählig im Freien sind. Ek, der als Waisenkind aufwuchs, wollte den Jungen seines Fußballclubs schon immer nicht nur auf dem Spielfeld helfen. Er wollte, dass sie einen besseren Start ins Leben haben als er selbst.

Jubel: Jetzt sind alle frei

Jubel im Camp der Reporter, als einer der Rettungshubschrauber darüber hinwegfliegt, offenbar mit dem neunten Jungen an Bord. Der Zehnte und der Elfte werden da gerade für den vorbereitet. Und während der Hubschrauber in der Ferne leiser wird, kommen auf die ersten unbestätigten Meldungen: Auch Nummer zwölf sei so eben nach draußen gelangt - zusammen mit Ek.

Jetzt sind es alle.

Für viele Thais ist Ek mittlerweile fast eine mythische Gestalt. Cartoons zeigen ihn als göttliche , die auf die Kinder aufpasst. Und tatsächlich kann man bezweifeln, ob die Zwölf ohne den Einen durchgehalten hätten. Meditierend hätten die Taucher die Gruppe in der Höhle vorgefunden, heißt es. Die Jungen seien überhaupt nicht in Panik gewesen, sondern ganz ruhig.

Jemand twittert, diese sei das "einzig Gute, was gerade auf der Welt geschieht". Die ganze Anspannung der letzten Tage fällt ab, von den Rettern, den Angehörigen, von allen, die dieses Drama verfolgt haben, in Thailand und weltweit. Noch am Freitag, am Samstag herrschte Ratlosigkeit. Man wusste nicht, ob die Rettungsaktion mit Tauchern nicht doch viel zu riskant sein würde. Man suchte andere Wege. Niemand konnte sagen, ob die Jungen da lebend raus kommen würden.

Höhlenrettung macht Thailänder stolz

Bis Sonntag, dem ersten Tag der Rettung, musste man mit dem Schlimmsten rechnen, erst am Montag, dem zweiten Tag, wurde die Stimmung langsam gelöster - es ging, es funktionierte, ein Taucher sagte, er könne nicht glauben, wie cool diese Jungen seien. Elf- bis 16-Jährige, die eine Höhle durchqueren, die selbst für professionelle Taucher gefährlich ist.

Aber selbst wenn es nur ein Todesopfer gegeben hätte unter den Eingeschlossenen, wäre nun kein jubelndes, sondern ein trauerndes Land. Wegen des Hungerns am Anfang war Ek geschwächter als die Jungen. Erst als er tatsächlich an der Oberfläche ankommt, ist alles vorbei.

Ein Land liegt sich in den Armen. Die einen jubeln und lachen, die meisten freuen sich still. Morgen, sagen die Ärzte, werden die ersten Jungen ihre Eltern umarmen dürfen. Sie kamen gerade rechtzeitig aus der Höhle für die Halbfinals der Fußball-WM. Nur bis sich ihr Wunsch nach gebratenem Schweinefleisch mit Basilikum erfüllt, müssen sie noch warten, ihre Mägen brauchen noch ein bisschen.

Es ist kein Land ohne Konflikte, die politischen Lager sind verfeindet, vor vier Jahren putschte sich der Armeechef an die Macht, er ist nun Premierminister und regiert diktatorisch. Es gibt Probleme zwischen Buddhisten und der muslimischen Minderheit. Und der neue König, der auf seinen beliebten Vater folgte, hat keine einigende Kraft, die Thais missbilligen sein Playboy-Leben.

Aber für den Moment freuen sich einfach alle nur. Sind alle ein wenig stolz auf ihr Land, das mit diesem Unglück hochprofessionell umgegangen ist. Auf diese 13 können sich alle einigen.

wue