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U-Bahn-Unglück in Rom: "Dachte, da geht eine Bombe hoch"

Rom feiert sein erstes großes Filmfest als das Unglück passiert: Um 9.30 Uhr rast eine U-Bahn in einen stehenden Zug und zerstört einen Waggon. Ein Mensch stirbt, im Zentrum der Stadt bricht das Chaos aus.

Von Luisa Brandl

"Ich sah den Zug auf mich zufahren, warf mich zu Boden und hörte einen entsetzlich lauten Knall", berichtet ein junger Anwalt. Im Wagon sei Panik ausgebrochen, es wurde dunkel, überall Rauch, die Menschen auf ihren Sitzen eingeklemmt. Um 9.30 Uhr war ein einfahrender Zug in die stehende U-Bahn an der Station Piazza Vittorio drei Meter weit rein gefahren. Der letzte Waggon wurde dabei völlig zerstört. Feuerwehrmänner bargen den Leichnam der 30-jährige Wissenschaftlerin Alessandra Lisi aus den Wrackteilen. Der zunächst tot geglaubte Fahrer schwebt noch in Lebensgefahr, vier Menschen sind schwer verletzt.

Die Ursache der U-Bahn-Kollision ist noch unklar. Einigen Augenzeugen zufolge hat der Zugfahrer auf der Linie A ein Haltesignal übersehen. Nach anderen Vermutungen könnte ein Schaden am Stromverteiler zu dem Unglück geführt haben. Auf dem U-Bahnhof in der römischen Innenstadt standen Hunderte unter Schock, sie drängten sich, manche blutüberströmt, durch die U-Bahn-Schächte ans Tageslicht. Vielen stand die Angst ins Gesicht geschrieben. Sie versuchten ihre Angehörigen zu benachrichtigen, doch das Mobilfunknetz war kurzfristig zusammengebrochen.

"Ich stand in einem hinteren dicht gedrängten Wagon, es ging ein heftiger Ruck durch die Menge, die Leute vielen übereinander und haben geschrien", erzählt eine Frau. Sie sei aber noch glimpflich davongekommen mit Prellungen am Bein. "Der Aufprall war furchtbar, ich dachte, da geht eine Bombe hoch", sagt Federico, Student. Er klagt über ein Stechen im Rücken und Kopfschmerzen. Die Geschäftsleute an der Piazza Vittorio hatten sofort erste Hilfe geleistet, brachten den Leichtverletzten Wasser und Taschentücher. Umringt von vielen Schaulustigen hatten Sanitäter schnell ein Feldlazarett errichtet, der Verkehr wurde umgeleitet, so dass die Rettungswagen rasch die umliegenden Krankenhäuser erreichen konnten. Das Unglück platzt mitten in die ausgelassene Stimmung der Stadt, die gerade ihr erstes, großes Filmfest feiert. Bürgermeister Walter Veltroni, der das neue Festival initiiert hat, ließ die Filmvorführungen für Dienstag unterbrechen.

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