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Unfall mit Tegelberg-Seilbahn: "So kann man nicht fliegen"

Augenzeugen machen dem Unglückspiloten vom Tegelberg schwere Vorwürfe: Der Gleitschirmflieger soll bereits früher durch gravierende Flugfehler aufgefallen sein.

Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt: Zwei Tage nach dem Seilbahnunglück an der Tegelbergbahn verdichten sich die Hinweise, dass der Pilot des Gleitschirmfliegers verantwortlich für den Unfall ist. Der im Schweizer Kanton Zürich wohnende Deutsche soll inzwischen an seinem Wohnort untergetaucht sein.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, habe sich der 54-Jährige in die Schweiz abgesetzt. Die Polizei bestätigte, dass der Mann an seinen Wohnort zurückgekehrt sei, betonte jedoch, dass dies erlaubt und keinesfalls als Flucht aufzufassen sei. Telefonisch war der Unglückspilot am Sonntag nicht erreichbar. Der Geschäftsführer der Tegelbergbahn, Franz Bucher, zeigte sich verärgert darüber, dass sich der Mann noch nicht bei ihm gemeldet habe und nicht ans Telefon gehe. Auf den Bruchpiloten kommen möglicherweise hohe Schadensersatzforderungen zu. Allein den Umsatzausfall durch den Stillstand der Bahn bezifferte Bucher auf 60.000 bis 70.000 Euro.

Der Gleitschirmflieger hatte am Freitag 50 Menschen in Gefahr gebracht, als er mit seinem Gleitschirm in einem Tragseil der Tegelbergbahn nahe dem Schloss Neuschwanstein hängen geblieben war. Die Polizei hatte zunächst vermutet, dass eine Windböe ihn in die Seile getrieben habe. Mehrere Experten haben dieser Darstellung inzwischen widersprochen.

"Es gibt das Gerücht von einer unerwarteten Bö. Da muss ein Zeuge dreist gelogen haben, um den Piloten zu entlasten", schreibt Gleitschirmflieger Manfred Laudahn auf seiner Homepage "abschweb.de". Es seien "einwandfreie Startbedingungen" gewesen. Laudahn, der seit Jahren am Tegelberg Gleitschirmflüge unternimmt und darüber auf seiner Homepage Tagebuch führt, war Augenzeuge des Unglücks und macht dem Piloten schwere Vorwürfe. Der Schirm sei im Startlauf rechts eingeklappt gewesen. Außerdem habe der Pilot die rechte Bremse nicht in der Hand gehabt. "So konnte die rechte Schirmseite vorschießen", schreibt Laudahn. "Mir ist unbegreiflich, wieso er in hundert Metern Flugstrecke bis zu den Seilen das Problem nicht beheben konnte."

Der Geschäftsführer der Seilbahn, Franz Bucher, hatte bereits am Samstag einen Pilotenfehler für das Unglück verantwortlich gemacht. "So kann man nicht fliegen, das ist grob fahrlässig." Der Pilot sei vom Startplatz unweit der Gondel in Richtung Seilbahn abgehoben, anstatt - wie vorgesehen - in die entgegen gesetzte Richtung zu fliegen. Gegen den Schweizer wird wegen fahrlässiger Körperverletzung sowie eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. Die Polizei betonte aber, dass sie in allen Richtungen ermittele - neben einem Flugfehler komme nach wie vor auch eine Windböe als Unfallursache infrage. Die Tegelbergbahn bleibt bis mindestens Montag geschlossen, Experten der österreichischen Seilbahnfirma Doppelmayr überprüfen die Anlage auf Schäden.

Unglücksflug stand im Zusammenhang mit Fernsehaufnahmen

Unterdessen bestätigte eine Sprecherin des Bayerischen Rundfunks, dass der Gleitschirmflug im Zusammenhang mit Fernsehaufnahmen stand. Der Gleitschirmpilot war im Tandemflug mit einem Reporter des Bayerischen Fernsehens unterwegs, sagte sie der Deutschen Presse Agentur. Der 35-jährige Münchner wurde leicht verletzt. Es sei um Aufnahmen für eine Urlaubsserie der "Abendschau" gegangen. Eigentlich habe im Anschluss eine Kamerafrau in einem zweiten Tandemflug starten sollen.

Trotz des Unglücks stuft Manfred Laudahn den Tegelberg nicht als besonders gefährlich für Gleitschirmflieger ein. "In 35 Jahren Drachen- und Gleitschirmfliegerei am Tegelberg ist es meines Wissens zuvor nur einmal passiert, dass jemand in die Seile der Bahn geflogen ist", schreibt er. Der Unglückspilot sei ihm schon früher aufgefallen. Er habe ihn mit einem Passagier bei einem Fehlstart mit Baumverwicklung beobachtet. Hinterher habe der Pilot den Vorfall abgestritten. "Aber heute lässt sich nichts mehr abstreiten."

mai