Zugunglück in Belgien Lokführer übersah Stoppsignal


In Belgien sind nahe Brüssel zwei vollbesetzte Regionalzüge zusammengestoßen. Die Angaben über die Anzahl der Todesopfer gehen auseinander. Noch immer sind Verletzte in den verkeilten Waggons eingeschlossen. Klar erscheint die Unfallursache: menschliches Versagen.

Das schwere Zugunglück in Belgien geht auf menschliches Versagen zurück. Einer der beiden Lokführer habe ein Stoppsignal übersehen, sagte der Gouverneur von Flämisch-Brabant, Lodewijk De Witte, am Montag. Bei der Katastrophe zwischen den Bahnhöfen Buizingen und Halle am südwestlichen Brüsseler Stadtrand kamen mindestens acht Menschen ums Leben. Am Montagmittag gab es aber weiterhin unterschiedliche Angaben zur Zahl der Opfer, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete.

Nach Angaben des Bürgermeisters von Halle, Dirk Pieters, kamen 20 Menschen ums Leben. Die Brüsseler Staatsanwaltschaft sprach von acht bis 20 Toten. Eine Regionalbahn aus dem ostbelgischen Lüttich war gegen 8.30 Uhr am Montagmorgen mit einem in Richtung Lüttich fahrenden Zug frontal zusammengestoßen. Der Aufprall sei so stark gewesen, dass ein Teil der einen Bahn angehoben wurde und einige Waggons umgekippt seien, berichtete Belga. Der Lokführer der aus Lüttich kommenden Bahn übersah ein auf Rot gestelltes Signal.

Ein Bild des Grauens

Am Unfallort bot sich ein Bild des Grauens: Völlig zerstörte Triebwagen, umgekippte und ineinander verkeilte Waggons. Schneefall behinderte die Rettungsarbeiten.Verletzte wurden über die riesige Gleisanlage in Sicherheit gebracht. Noch immer sind Passagiere in den Waggons eingeschlossen. In Medienberichten ist von bis zu 125 Leichtverletzten die Rede.

"Es war wie ein Erdbeben", sagte ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Ein anderer berichtete, der Zug habe hart gebremst. "Dann hörten wir einen lauten Knall und ich sah einen Waggon an meinem Fenster vorbeischlittern." Die Fahrgäste seien nach vorne geschleudert worden und auf den Boden gefallen. Nach dem Aufprall hätten einige Passagiere ein Fenster eingeschlagen und seien herausgeklettert.

Crash beeinträchtigt internationalen Zugverkehr

Da die Waggons die Gleise zum zentralen Bahnhof Brüssel-Midi blockierten, kam der internationale Zugverkehr nach Frankreich und England zum Erliegen. "Alle Züge zwischen Brüssel und London werden für den ganzen Tag abgesagt", sagte ein Sprecher des Bahnunternehmens Eurostar. Züge aus London mussten in Lille halten. Hochgeschwindigkeitszüge von Brüssel nach Paris mussten umgeleitet werden. Fahrgäste auf dem Weg von Köln nach Paris mussten in Brüssel aussteigen.

Die Feuerwehr brachte die Schwerverletzten in umliegende Krankenhäuser, die Leichtverletzten wurden in einem Sportzentrum in Halle behandelt und psychologisch betreut. Die Behörden richteten ein Krisenzentrum und eine Notrufnummer für Angehörige ein. Das Rote Kreuz rief zum Blutspenden auf. Am Nachmittag wurden der belgische König Albert II. sowie Premierminister Yves Leterme am Unglücksort erwartet.

DPA DPA

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