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Trockener Sommer So schlimm wären die Folgen einer Dürre in diesem Jahr in Deutschland

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat vor einem noch trockeneren Sommer als 2018 gewarnt.


Sind 2018 und 2019 Ausnahme-Jahre oder ist das ein Wetter-Trend, der länger anhält?


Beides. Zum einen ist das Jahr 2018 erst einmal ein Ausnahmefall gewesen, denn das war in dieser Intensität, mit diesen Temperaturen und solcher Trockenheit vorher nicht aufgezeichnet. Allerdings sehen wir in unseren Szenarien-Simulationen, dass es zu mehr Extremen kommt. Das muss nicht nur trocken sein, das kann auch feuchter sein. 2017 war ein sehr feuchtes Jahr, das hat uns letztes Jahr noch sehr geholfen. Wenn es 2019 genauso trocken wird wie im letzten Jahr, dann werden die Auswirkungen sogar noch schlimmer, weil wir die Reserven aus dem Vorjahr nicht mehr haben.


Was bedeutet das für die Landwirtschaft? Werden ganze Landstriche veröden?


Im schlimmsten Fall wäre das tatsächlich so. Es ist aber noch schwieriger, weil wir eben beide Extreme haben: 2017 war auch ein schwieriges Jahr für die Landwirtschaft, weil es sehr feucht war. 2018 war dann sehr trocken und wieder ein schwieriges Jahr für die Landwirte. Wenn es immer trocken wäre, könnte sich die Landwirtschaft bis zu einem gewissen Grade daran anpassen. Schwierig ist es eben, wenn man gar nicht weiß, woran man sich nun anpasst: Besonders nass? Besonders trocken? Und was wir noch gar nicht gehabt haben, sind mehrere Jahre mit Extremen hintereinander, wie es sich jetzt gerade abzeichnet. Dann kann es dazu kommen, dass wir insbesondere in den Landstrichen, in denen die Böden keine große Wasser-Speicherkapazität haben, die Landwirtschaft an der Kippe haben: Kann sie überhaupt noch wirtschaftlich nachhaltig betrieben werden?


Was bedeutet die Trockenheit für die Bewohner von Großstädten?


Es ist nicht so, dass wir zu wenig Wasser zum Trinken haben werden. Was passieren kann, ist, dass wir in schwierigen Zeiten Einschränkungen bei der Bewässerung haben werden - im Garten oder beim Autowaschen. Bei den Städten machen wir uns besondere Sorgen, weil die hohen Temperaturen dem Kreislauf von vorbelasteten Menschen zu schaffen machen. Und auf der anderen Seite die starken Niederschläge, die wir in den vergangenen Jahren schon kennengelernt haben. Die kommen intensiv und in kurzer Zeit und sorgen dafür, dass die Kanalisation mit den Wassermassen nicht fertig wird. Das ist ganz schwierig, wenn es in kleinen Tälern passiert. Wenn  sich am Auslass des Tales die Wassermassen sammeln und die Leute in ihre Keller rennen, weil sie ihr Auto retten wollen. Das kann dann zu Todesfällen führen und das haben wir auch schon so beobachtet.


Was kann denn jeder Einzelne tun, um dem Klimawandel entgegenzuwirken?


Wie so oft: Jeder hat natürlich einen Einfluss. Man ist Verbraucher und kann bei seinem Konsum darauf achten, dass man nicht mehr so viele klimaschädliche Gase verursacht. Wichtig ist auch, dass man seine Meinung kundtut – sei es bei Wahlen oder auf der Straße, wie uns das gerade die Schüler in letzter Zeit ja vormachen. Das ist ja die Generation, die wirklich betroffen sein wird am Ende. Es reicht aber nicht, wenn das jeder Einzelne macht. Das ist sehr gut, das muss passieren. Aber es muss auch einen Prozess geben auf internationaler politischer Ebene, der die Rahmenbedingungen dafür setzt. (...) Es hilft ja nichts, wenn ich gern mit der Bahn fahre, die Bahn aber gar nicht dorthin fährt, wo ich hin möchte.


Haben Sie noch Hoffnung, dass die Klimawende gelingt oder haben sie den Glauben an die aktuellen Politiker verloren?


Es ist am Ende so, dass es große Lobbys gibt, die auch gegenarbeiten. Das haben wir in den letzten Jahren sehr deutlich gesehen. Jetzt ist es eben die Entscheidung des Einzelnen, was er wählt und wie er sich selbst verhält. Und das muss am Ende auch politisch begleitet werden.
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Der Deutsche Wetterdienst hat vor einem noch trockeneren Sommer als 2018 gewarnt. Dr. Fred Hattermann vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung erklärt im stern-Interview, was eine Dürre 2019 bedeuten würde.

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