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Aroma in Ritter Sport: Stiftung Warentest erleidet Niederlage im Schoko-Streit

Schlappe für die Stiftung Warentest: Die Produktprüfer hatten den Schokoladenhersteller Ritter gerügt, in seinen Tafeln ein künstliches Aroma zu verwenden. Das Landgericht München sieht das anders.

Der Schokoladen-Hersteller Ritter Sport hat im Streit mit der Stiftung Warentest einen weiteren Sieg errungen. Das Landgericht München entschied am Montag, dass eine einstweilige Verfügung gegen die Stiftung Warentest weiterhin Bestand hat.

Damit dürfen die Prüfer dem Hersteller in ihrem Schokoladentest keine irreführende Kennzeichnung eines Vanillearomas vorwerfen. In dem Test von Vollmilch-Nuss-Schokoladen hatte die Stiftung Warentest der Ritter Sport-Tafel die Note fünf gegeben, weil die Schokolade das Aroma Piperonal enthalte, das künstlich hergestellt worden sei.

Ritter Sport hatte dies zurückgewiesen und die einstweilige Verfügung erwirkt. Dagegen hatte die Stiftung Warentest Einspruch erhoben, der jetzt vom Landgericht München abgewiesen worden ist. Die Produkttester kündigten daraufhin an, dass sie gegen den Richterspruch Berufung einlegen.

Stein des Anstoßes: der Aromastoff Piperonal

Ritter Sport vertritt den Standpunkt, dass es sich bei dem Aromastoff Piperonal um ein natürliches Aroma handelt und beruft sich dabei auf eine Garantieerklärung des Aromenherstellers Symrise. Die Firma aus dem niedersächsischen Holzminden, die einen Milliardenumsatz mit Aromastoffen macht, hatte vor Gericht eine eidesstattliche Versicherung abgelegt, dass das Aroma natürlichen Ursprungs sei.

Ritter Sport setzt Piperonal in allen Schokoladen ein. "Das Aroma rundet den Geschmack der Schokolade ab", sagt ein Sprecher. Gegenstand des Schokoladen-Tests war aber nur die Voll-Nuss-Schokolade, die für Ritter Sport die meistverkaufte Schokotafel ist.

Die Stiftung Warentest macht geltend, dass Ritter Sport und der Aromenlieferant Symrise im bisherigen Verfahren den tatsächlichen Herstellungsprozess nicht offen geleg habent. Klar ist bisher lediglich, dass Symrise den Aromastoff Piperonal nicht selbst herstellt, sondern über Dritte bezieht.

Zwar sitzen weder Ritter Sport noch die Stiftung Warentest in München. Da der Test-Bericht bundesweit erschienen ist, gilt nach Angaben einer Gerichtssprecherin der "fliegende Gerichtsstand". Somit findet der Prozess nicht wie sonst üblich am Firmensitz der Beteiligten statt - sondern an einem Gericht nach Wahl.

kng/DPA / DPA