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Energietechnik Studie: "Blauer Wasserstoff" klimaschädlicher als Kohle oder Gas

Eine der zwei Anlagen, die blauen Wasserstoff herstellen, setht in Alberta, Kanada.
Eine der zwei Anlagen, die blauen Wasserstoff herstellen, setht in Alberta, Kanada.
© Shell / PR
Wasserstoff verspricht saubere Energie, aber solange das Gas nicht mit regenerativer Energie erzeugt wird, ist es auch nicht sauber. Eine neue Studie hält auch blauen Wasserstoff für einen Klimakiller. Schuld sind entweichende Methan-Gase.

Wasserstoff wird gern als umweltfreundlicher Brennstoff dargestellt. Bei der Verbrennung bzw. der Reaktion des Gases entsteht schließlich nur Wasser und kein klimaschädliches CO2 oder gar gesundheitsschädliche Abgase. Das ist nicht falsch, aber nur die halbe Wahrheit. Denn beim Wasserstoff entsteht das Problem bei der industriellen Herstellung des Gases. Hier unterscheiden sich grüner und blauer Wasserstoff. Blau und Grün signalisieren als Farben Umweltfreundlichkeit. Dabei soll die Klimabilanz des blauen Wasserstoffs weit schlechter sein als die von Kohle. Das sagt eine Studie, die in "Energy Science and Engineering" veröffentlicht wurde.

Die Herstellung von Wasserstoff erfordert vor allem Energie. Grün bedeutet, dass das Gas mit Hilfe von regenerativer, natürlicher Energie hergestellt wird. Das ist im Prinzip möglich, aber derzeit noch nicht wirtschaftlich. Also werden fossile Energieträger genutzt. Bei schwarzem Wasserstoff ist es Kohle. Grauer Wasserstoff stammt aus Erdgas. Braun aus Braunkohle. Weit über 90 Prozent der Wasserstoffproduktion nutzt diese schmutzigen Energiequellen.

Blauer Wasserstoff soll eine umweltfreundliche Alterbnative sein, er wird mit Umwegen aus Methan hergestellt. Das entstehende Kohlendioxid wird abgeschieden und gelagert. So kann man fossile Energieträger "verbrennen", ohne dass CO2 in die Atmosphäre gelangt. Die Forscher der Universitäten Cornell und Stanford warnen nun davor, dass blauer Wasserstoff mit versteckten "flüchtigen Emissionen" verbunden ist, sodass er für die Atmosphäre schädlicher ist als herkömmliche fossile Energieträger. "Überraschend ist der Treibhausgas-Fußabdruck von blauem Wasserstoff um mehr als 20 Prozent größer als bei der Verbrennung von Erdgas oder Kohle zur Wärmeerzeugung und um etwa 60 Prozent größer als bei der Verbrennung von Dieselöl zur Wärmeerzeugung, wiederum unter unseren Standardannahmen."

Klimaschädlich trotz der Einlagerung von CO2

Neben den reinen Wandlungsverlusten der Energieträger berücksichtigt der Report "flüchtige Emissionen" die beim Fördern von Methan entstehen. Die Forscher gehen von 3,5 Prozent Verlust aus, die 20 Jahre lang in der Atmosphäre verbleiben. Dabei ist die Erwärmungswirkung von Methan 86 mal stärker als die von Kohlendioxid.

Diese Berechnung ist sogar noch geschönt, denn sie geht davon davon, dass das Speichern des CO2 bis in alle Ewigkeit funktioniert. "Unsere Analyse geht davon aus, dass das abgeschiedene Kohlendioxid unbegrenzt gespeichert werden kann - eine optimistische und unbewiesene Annahme. Selbst wenn diese Annahme zuträfe, wäre die Verwendung von blauem Wasserstoff aus Klimagründen schwer zu rechtfertigen."

Nur grüner Wasserstoff ist wirklich sauber

Für die Wasserstoff-Technologie wäre es ein gewaltiger Rückschritt, wenn die Forscher recht hätten. Um in den Markt zu treten, wären Zwischenlösungen wie sie der blaue Wasserstoff bieten sollte dringend nötig. Um die Zeit zu überbrücken, bis die Erzeugung aus grünen Energieträgern wirtschaftlich möglich ist.

Quelle: Energy Science and Engineering

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