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Studie Wer sich nicht mit Katzen auskennt, streichelt offenbar besser

Ein Mensch streichelt eine Katze am Hals. Die hat die Augen geschlossen und scheint sich wohlzufühlen
Berührungen an Kopf, Wangen und Kinn kommen bei Katzen gut an
© plainpicture / Westend61 / Ramon Espelt
Eine Studie hat herausgefunden, dass Katzenbesitzer und selbsterklärte Katzenprofis eher mal an Stellen streicheln, die den Tieren missfallen. Die beteiligten Wissenschaftler zeigen auf, welche Art von Streicheleinheiten Katzen besonders mögen. 

HCI, das klingt nach einer bedeutsamen, wissenschaftlichen Abkürzung. Wissenschaftlich ging es bei dieser Studie der britischen Universitäten Nottingham und Edinburgh auch zu. Das Thema allerdings entstammt einem Lebensbereich, der für viele etwas Alltägliches, Schönes, Weiches und Warmes bedeutet und den wohl die wenigsten mit einem Forschungsteam verbinden würden. HCI steht für "Human-Cat Interactions", also Mensch-Katze-Interaktionen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben die HCI von ingesamt 120 Menschen und 114 Katzen beobachtet und ausgewertet. Mensch und Katze wurden jeweils in einem Tierheim in London zusammengebracht, wo die Interaktion von zwei Kameras gefilmt wurde. 57 Prozent der menschlichen Teilnehmer an der Studie leben aktuell mit mindestens einer Katze zusammen – die geben allerdings nicht automatisch die besseren Streicheleinheiten, wie das Ergebnis zeigt.

Unterschied beim Alter in der Mensch-Katze-Interaktion

Ausgerechnet Katzenbesitzerinnen und -besitzer sowie selbst erklärte Katzenprofis tendieren demnach eher dazu, Katzen an Stellen wie dem Bauch oder dem Schwanzansatz zu streicheln. Berührungen, die Katzen gemeinhin missfallen. Zudem werde die Interaktion von diesen Personen eher gesucht und erzwungen. Welche Berührungen Katzen hingegen mögen, sind solche an Kopf, Wangen und Kinn. Wer keine Ahnung von Katzen hat und sich den Tieren eher vorsichtig nähert, macht es daher eher besser als Leute, die eine Katze besitzen und auch mal übergriffig streicheln. 

Die Wissenschaftler beobachteten zudem, dass die Mensch-Katze-Interaktion von älteren Studienteilnehmern auf menschlicher Seite im Alter zwischen 56 und 75 Jahren durchschnittlich schlechter verlief als bei jüngeren. Diese Personengruppe tendiere eher dazu, Katzen festzuhalten und damit die Kontrollaufnahme von Seiten der Katzen zu beschränken. Diese Verhalten könne mit einem anderen Verständnis von Tieren und deren Agency zusammenhängen. 

Am Ende kommt es bei der Interaktion mit Katzen auf CAT an, wie es die "Zeit" zusammenfasst: CAT, das steht in diesem Fall für choice, attention und touch (Wahl, Aufmerksamkeit und Berührung). Die Katze entscheide, ob sie gestreichelt werden möchte. Sie initiiere den Kontakt.

Einige Komponenten bleiben offen 

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es auf dem Gebiet noch einiges zu erforschen gebe. Schließlich beeinflussen viele verschiedene Faktoren die Mensch-Katze Interaktion. Allein das Filmen der Teilnehmer könnte dafür gesorgt haben, dass sie sich prosozialer und gewissenhafter verhalten haben, als wenn sie Katzen im privaten Rahmen getroffen hätten. Die Interaktionen über einen längeren Zeitraum und zuhause zu beobachten, wird ebenfalls empfohlen. Schließlich dürfte so manches Mensch-Katze-Team fest eingespielt sein. 

Die Katze den ersten Schritt machen lassen, sie nicht festhalten oder bedrängen und wenn sie gestreichelt werden möchte, sich an Kopf, Wangen und Kinn halten, damit scheinen Menschen in ihrer Interaktion mit den Vierbeinern – ganz gleich ob Katzenhalter oder nicht – jedenfalls einiges richtig zu machen. 

Quellen: Die Zeit, Nature, Der Standard

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