"Rosetta"-Mission Per Harpune auf Kometenjagd


Mit einer Harpune geht die europäische Sonde "Rosetta" auf die Jagd nach dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko. Das erstmals in der Raumfahrt eingesetzte Instrument soll die Lande-Einheit "Philae" an dem Himmelskörper festhaken.

Mit Harpune geht die europäische Sonde "Rosetta" auf die Jagd nach dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko. Das erstmals in der Raumfahrt eingesetzte Instrument soll die Lande-Einheit "Philae" an dem Himmelskörper festhaken, der keine nennenswerte Schwerkraft besitzt. Ob die Aktion funktioniert, steht im wahrsten Sinne des Wortes in den Sternen. "Wir haben noch keine Ahnung, wie der Untergrund des Kometen beschaffen ist", erklärt Projektleiter Manfred Warhaut von der Europäischen Raumfahrtkontrollstation (ESOC) in Darmstadt. Die notwendigen Informationen wird erst die Sonde bei ihrer Ankunft im Jahr 2014 liefern.

Komet mit Zigarren-Form

Angesichts der fünf Milliarden Kilometer langen Anreise ist das anvisierte Ziel denkbar klein. Der Komet mit der Form einer Zigarre misst nur vier Kilometer in der Länge und zwei Kilometer in der Breite. Ob seine Oberfläche felsig ist, wie in den Animationen der ESOC, oder doch sandig, soll die Sonde bei ihren mehrwöchigen Umkreisungen feststellen. Haben die Wissenschaftler einen geeigneten Landeplatz festgelegt, wird "Rosetta" bis auf 1000 Meter heranfliegen und die Lande-Einheit fallen lassen. "Sie soll etwa mit der Geschwindigkeit eines 100-Meter-Läufers auf dem Boden ankommen", erzählt Warhaut. Ist sie schneller, besteht die Gefahr, dass sie in den Weltraum zurückprallt.

"Spinnenbeine" sollen Landung abfedern

Die rund 100 Kilogramm schwere Lande-Einheit ist für alle denkbaren Böden gerüstet. Drei "Spinnenbeine" sollen die Landung abfedern. Die drehbaren Teleskopstangen sorgen außerdem dafür, dass die Fieberglas-Box mit neun Forschungsinstrumenten auf unebenem Grund wieder ins Gleichgewicht kommt. Wenigstens eine Woche soll "Philae" - benannt nach einer Nil-Insel - auf dem Kometen ausharren und ihn erforschen. Die Wissenschaftler hoffen allerdings, dass sie mehrere Monate durchhält.

"Ich habe großen Respekt vor der unbekannten Umgebung", sagt Warhaut, der alles sammelt, was über Kometen bekannt ist: "Manchmal sollen sich große Brocken lösen und mehrere Kilometer in den Weltraum geschleudert werden." Solche Nachrichten sind nicht eben beruhigend, könnte ein Steinschlag doch das plötzliche Ende der Mission bedeuten.

"Wir haben die Programme noch nicht geschrieben"

Die genauen Befehle, die die Sonde beim Erreichen des Kometen ausführen soll, stehen noch nicht fest. "Wir haben die Programme noch nicht geschrieben", erklärt Warhaut. Denn bis "Rosetta" ihr Ziel erreicht, werden in der Kontrollstation wohl mindestens zwei neue Computer-Generationen einziehen - von Neuentwicklungen der Software ganz zu schweigen.

"Dabei müssen wir darauf achten, dass sich die neuen Computer mit der Technik der Sonde verstehen", sagt Warhaut. Um das sicherzustellen, werden alle Programme an einem Modell in Darmstadt getestet. Der Kontakt mit der Sonde, die teilweise mehr als eine Milliarde Kilometer von der Erde entfernt sein wird, dauert nach Angaben von Warhaut rund 110 Minuten: "Vom Abschicken des Befehls bis zur Rückmeldung können wir also ein Fußballballspiel samt Verlängerung anschauen."


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