Porträt Der Sternenkrieger


Über Nacht wurde Yang Liwei zum Nationalheld. Als erster Chinese konnte er auf die Erde niederblicken - vom Weltall aus.

Es war die Geburt eines Nationalhelden. Der Start des Raumschiffes "Shenzhou 5" katapultierte den ersten chinesischen Astronauten Yang Liwei am Mittwoch nicht nur in eine Umlaufbahn um die Erde, sondern auch zu nationalem Ruhm. Vor dem großen Sprung ins All versprach der kleine Astronaut, "die Erwartungen des Vaterlandes und des Volkes zu erfüllen". Staats- und Parteichef Hu Jintao nannte den 38-Jährigen einen "Krieger", der für China das Weltall erkunde. Er erfülle der chinesischen Nation einen "Jahrtausendtraum". "Wir freuen uns auf seine triumphale Rückkehr."

Yang Liwei versprach "höchste Konzentration", damit sein Flug ohne Probleme verlaufe. Gefasst wirkte der frühere Luftwaffenpilot schon, als er sich am Morgen im Raumanzug beim "Genossen Kommandeur" mit einem energischen Salut verabschiedete und laut ausrief: "Ich bin bereit." Im Hintergrund jubelten mit Luftballons und Fähnchen die Menschen. Einige hatten für das Propaganda-Ereignis die Trachten verschiedener Minderheiten angezogen, um in bekannter kommunistischer Tradition die Einheit des chinesischen Volkes zu demonstrieren.

Ein durchschnittlicher Schüler

Daheim auf der Erde verfolgten Frau und Sohn den eintägigen Flug. Zuletzt arbeitete der Astronaut in der streng abgeriegelten, geheimen "Raumfahrtstadt" westlich von Peking. Über seine Hobbys verriet seine Schwester der Hongkonger Zeitung "Wen Hui Bao": "Er hängt gerne vor Computern und bastelt mit allen möglichen elektronischen Geräten herum." In der Schule sei ihr Bruder früher eher durchschnittlich gewesen. Nur in wissenschaftlichen Fächern habe er sich abgehoben.

Yang Liwei stammt aus Suizhong nahe der Stadt Huludao in der Provinz Liaoning in Nordostchina. Sein Vater arbeitete in einer landwirtschaftlichen Firma, seine Mutter als Lehrerin. "Als mein Bruder klein war, trieb er gerne Sport wie Schwimmen oder Schlittschuhlaufen. Er war immer draußen und spielte", berichtete die Schwester. Mit 18 Jahren trat Yang Liwei in die Armee ein und wurde Luftwaffenpilot wie die anderen 13 Astronauten Chinas. Um auserwählt zu werden, mussten sie mindestens 1000 Flugstunden und "hervorragende Flugfähigkeiten" vorweisen. Auch wurden mindestens vier Jahre Universitätsausbildung, eine robuste Statur, psychologische Qualitäten und schnelles Reaktionsvermögen verlangt.

Navigator im All

Im Westen werden sie zur Unterscheidung von den Astronauten der USA und Kosmonauten Russlands gerne "Taikonauten" genannt - nach dem chinesischen Wort "Taikong" für Weltraum. Auf Chinesisch heißen die Astronauten meist "Yuhangyuan", übersetzt "Navigator im All", oder auch salopp "Taikongfeiren", sprich "Pilot im Weltraum". "Es macht Sinn, ein neues Wort zu schaffen, um Chinas unabhängige Fähigkeiten im bemannten Raumflug widerzuspiegeln", meinte der Experte Chen Lan, der die Webseite "gotaikonauts.com" pflegt.

Andreas Landwehr DPA

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