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Space-Guard-Programm: Eine Atombombe gegen "Apophis"

Obwohl Asteroid "Apophis" am 13. April 2029 haarscharf an der Erde vorbeischrammen wird, ist die Gefahr damit noch nicht aus der Welt. Jedes Jahr kreuzt der 400 Meter große Brocken die Erdumlaufbahn. Eine Lösung muss her.

Seit Jahren schon werden ältere Teleskope nicht mehr ausgemustert, sondern in aller Welt genutzt, um den Himmel nach Gefahren abzusuchen, die für das Leben auf der Erde tödlich sind. Im Rahmen des so genannten Space-Guard-Programms fotografieren sekündlich automatische Kameras alle in Frage kommenden Himmelsektoren nach Asteroiden, deren Bahn die der Erde irgendwann einmal bedrohlich kreuzt. Schlagzeilen macht neuerdings der seit längerem bekannte Kleinplanetoid "Apophis". Mit welcher Wucht fremde Himmelskörper auf der Erde einschlagen können, hat in neuerer Zeit die Ureinwohner Nordamerikas entsetzt: Vor rund 12.000 Jahren sahen sie eine verstörende Lichterscheinung, einen immer größer werdenden Feuerball am Himmel. Mit einem Riesenknall traf schließlich ein Gesteinsbrocken von rund 30 Metern Durchmesser und etwa 15.000 Tonnen Gewicht in Arizona auf die Erde.

Infografik

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Ein Einschlag würde viele Millionen Todesopfer fordern

So klein er im Vergleich zu anderen, früheren Asteroiden war, hinterließ er doch einen 1,2 Kilometer breiten Krater in der Landschaft, der noch heute 170 Meter tief ist. Es war der letzte bekannte Einschlag solchen Ausmaßes auf der Erde, und so manche Legende aus Urzeiten über Feuer, das vom Himmel fällt, mag auf ihn zurückzuführen sein. Umso unvorstellbarer, sollte "Apophis" auf der Erde einschlagen. Denn der mal zur Sonne strebende, mal die Sonne fliehende Asteroid hat eine Größe von 400 Metern. Sollte dieser gewaltige Brocken ebenso schnell wie der Arizona-Asteroid einschlagen - nämlich mit 15 Kilometern je Sekunde -, droht Zerstörung und Tod im Umkreis von mehr als 100 Kilometern. Die Zahl der Toten könnte je nach Einschlagstelle in die Millionen gehen, und die regionalen und vermutlich auch globalen Klimaveränderungen dürften Ausmaße erreichen wie nach den gewaltigsten Vulkanausbrüchen der Geschichte.

Noch ist völlig unklar, ob "Apophis" - Feind des Sonnengottes der alten Ägypter in Gestalt einer Riesenschlange - je auf die Erde trifft. Michael Khan von der Europäischen Weltraumagentur (Esa) in Darmstadt nennt Berichte, die eine solche Katastrophe für Freitag, den 13. April 2029, an die Wand malen, zumindest voreilig. Ein Zusammenstoß an diesem Tag sei höchst unwahrscheinlich, doch könne die Nähe von "Apophis" zu diesem Zeitpunkt dazu beitragen, den künftigen Verlauf seiner Bahn genauer zu bestimmen.

"Apophis" kommt alle Jahre wieder

Laut Khan beträgt die Umlaufzeit des Asteroiden, binnen derer er die Erdbahn kreuzt, ungefähr ein Jahr. Und er könnte unserem Planeten von Jahr zu Jahr immer näher kommen, je stärker die Schwerkraft der Erde seine Bahn beugt. Eines Tages könnte er also tatsächlich vom Himmel fallen. Wenn überhaupt, würde "Apophis" aber erst in den 30er oder 40er Jahren auf die Erde treffen. Und bis es so weit ist, gäbe es nach Einschätzung der Fachleute Möglichkeiten, das Risiko viel enger einzugrenzen, als heute möglich. Da ist zum einen der relativ nahe Vorbeiflug von "Apophis" im Jahr 2029, der eine weit exaktere Bahnberechnung als zurzeit erlaubt. Und zum anderen könnte laut Khan eine verhältnismäßig einfache und nicht allzu teure Raumfahrtmission endgültige Klarheit bringen: In der Esa wird darüber nachgedacht, eine kleine Sonde mit einem Minisender an dem Asteroiden anzudocken, der dann die Flugbahn von "Apophis" exakt zur Erde melden könnte.

Sollte eine Kollision in einer der folgenden Umlaufzyklen tatsächlich unvermeidlich sein, hätte man nach Nasa-Berechnungen genügend Zeit, die Bahn von "Apophis" mittels einer atomaren Fernzündung derart zu beeinflussen, dass sich die gefährliche Riesenschlange in sicherer Distanz an der Erde vorbei windet. Weil "Apophis" nur 400 Meter groß ist, wäre dies bereits mit Hilfe heutiger Weltraumtechnik ohne weiteres möglich, sagen Experten. Kaum Chancen hätte die Menschheit aber, wenn ein Planetoid von Dutzenden Kilometern Durchmesser auf die Erde zusteuerte. Ein Einschlag von dem Ausmaß, das vor rund 65 Millionen Jahren die Dinosaurier und darüber hinaus mehr als 80 Prozent der Arten auf der Erde auslöschte, könnte wohl nicht verhindert werden. Nach ernsthaften Schätzungen soll sich eine solche Endzeitkatastrophe im Durchschnitt alle 60 bis 70 Millionen Jahre wiederholen.

Anselm Bengeser/AP