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Zweiter Weltkrieg Mad Jack Churchill - der Mann, der mit Schwert und Bogen gegen die Nazis kämpfte

Das Foto einer Übung zeigt "Mad Jack" mit seinem Schwert.
Das Foto einer Übung zeigt "Mad Jack" mit seinem Schwert.
© Commons
Er war ein Exzentriker, ein Abenteurer und absolut furchtlos. „Mad Jack“ Churchill gilt als der letzte Brite, der einen Gegner im Feld mit dem Bogen tötete. Um seinen Soldaten Mut zu machen, spielte er auf dem Dudelsack und stürmte mit einem Breitschwert in die Schlacht.

Im Mai 1940 begann die dunkelste Phase des Zweiten Weltkrieges für Britannien. Die deutschen Panzer hatten die für uneinnehmbar gehaltenen Befestigungen der Maginotlinie umgangen und waren zum Kanal durchgebrochen. Die britischen Truppen waren abgeschnitten und wurden in der Gegend um Dünkirchen eingeschlossen.

In dieser Zeit trat "Mad Jack" Churchill in den Krieg ein. Als reaktivierter Offizier konnte er den Zusammenbruch der alliierten Front nicht verhindern, doch mit Überfällen und Hinterhalten erschwerter er den Vormarsch der deutschen Truppen.

Hinterhalt mit Bogen 

Mit nur zwei Männern verteidigte er das französische Dorf L'Epinette. Eine deutsche Patrouille näherte sich dem Hügel, der das Dorf überblickte. Churchill wartete, bis die Deutschen auf etwa 30 Meter heran waren, dann legte er an und erschoss den kommandierenden Unteroffizier. Aber nicht mit einem Gewehr, sondern mit einem Pfeil aus einem Langbogen. Seine beiden Mitstreiter überschütteten die Deutschen auf dem offenen Feld mit einem Kugelhagel, doch Churchill zog sein mittelalterliches Claymore-Schwert und stürzte sich auf den Feind.

Damit war die Legende von "Mad Jack" oder "Fighting Jack" geboren. Und Churchill war Manns genug, den ganzen Krieg über seinem Ruf gerecht zu werden. Obwohl er vom Dudelsackspielen und dem schottischen Breitschwert besessen war, war Churchill kein Schotte. Er wurde in Hongkong geboren und diente ab 1926 mit dem Manchester Regiment in Burma. Schon damals war er ein passionierter Bogenschütze und neigte zu abenteuerlichen Sondertouren. Für eine Dienstfahrt von Rangoon nach Kalkutta nutzte er nicht Bahn, Schiff oder Flugzeug – sondern nahm das Motorrad. Die 1500 Meilen waren herausfordernd, da es im Dschungel von Burma keine Straßen gab.

Meldete sich zu den Commandos

Das Militär verließ er nach zehn Jahren, 1936, weit vor dem Beginn des Krieges. Obwohl nicht gerade jung trat er sofort wieder in den Dienst ein. In L'Epinette soll er der letzte britische Offizier gewesen sein, der einen Gegner mit dem Bogen getötet hatte. Zur Evakuierung am Strand von Dünkirchen fuhr er mit dem Rad und erregte überall Aufsehen, weil Bogen. Pfeile und Schwert aus einer Tasche ragten.
Nach der Flucht über den Kanal trat er den neu aufgestellten Commandos bei. Einheiten, die in kleinen Trupps hinter den feindlichen Linien kämpfen sollten und die für ihre waghalsigen Landungsoperationen an der von den Deutschen kontrollierten Küste bekannt wurden. Diese Landungen zwangen die Deutschen, ihre Truppen an jedem Hafen und jeder Einrichtung der Küste zu stationieren, da man stets mit einem Überfall rechnen musste.
Der erste Einsatz brachte "Mad Jack" nach Norwegen. Seine Soldaten sollten zwei Geschütze auf einer Insel vor dem Städtchen Vågsøy außer Gefecht setzen, damit Soldaten den kleinen Hafen stürmen konnten. Vor der Landung spielte er einen aufmunternden Marsch auf dem Dudelsack und stürmte mit gezogenem Schwert an den Strand. Die überraschten Deutschen konnten ihm nichts anhaben. Nach den Kämpfen kam es aber zu einer unachtsam herbeigeführten Explosion durch einen Briten. Der Legende nach platzt die erbeutete Weinflasche, die sich Churchill gerade an die Lippen setze, durch den Druck der Explosion. Die Verletzung setzte ihn bis zur Landung in Sizilien außer Gefecht. Dort erlangte er weiteren Ruhm. In einer Nacht schwärmte er mit nur einem Kameraden aus, um einen deutschen Vorposten in ihren Deckungslöchern zu überfallen. "Mad Jack" nahm 42 Deutsche in dieser Nacht gefangen.

In deutscher Gefangenschaft 

Doch 1944 verließ ihn sein Glück in Jugoslawien. Auf der Insel Brac wurde seine Einheit von deutschen Kräften gestellt und aufgerieben. Churchill war am Ende der letzte unverletzte Brite. Als er seine Munition verschossen hatte, spielte er einen Marsch auf dem Dudelsack, bis er nach der Explosion einer Granate ohnmächtig niedersank. Normalerweise wurden Commandos von den Deutschen erschossen. Er hatte Glück, die deutschen Offiziere missachteten den Befehl. Wegen seines prominenten Namens dachte man, er sei mit dem britischen Premier verwandt. Nach Vernehmungen wurde er in das KZ Sachsenhausen gebracht. Doch von dort floh er mit einem anderen Offizier. Auf dem Weg zur Ostsee wurde er wieder aufgegriffen, nur wenige Kilometer vor der rettenden Küste. Nun wurde er nach Niederdorf in Österreich gebracht. Auch dort floh er und kämpfte sich mit einem verletzten Knöchel über mehr als 200 Kilometer durchs feindliche Gebiet, bis er amerikanische Truppen erreichte.
Damit war der Krieg in Europa vorbei, doch Churchill dürstete es nach weiteren Kämpfen. Er ließ sich nach Fernost verlegen, doch auch da waren die Kampfhandlungen zu Ende, als er eintraf. Seine Enttäuschung führte zu dem Ausbruch: "Ohne diese verdammten Amis hätten wir den Krieg noch zehn Jahre weiterführen können."
"Mad Jack" Churchill war ein Kämpfer und Abenteurer. Und ein Exzentriker. Er wurde getadelt, weil er mit Regenschirm auf einer Parade erschien, oder weil er eine zivile Wärmflasche im Marschgepäck mit sich führte. Vor dem Angriff machte sein Dudelsack seinen Soldaten Mut, doch er neigte auch dazu, wenn er nachts erwachte, auf dem Instrument zu spielen und die ganze Einheit aufzuwecken. Von ihm stammt der legendäre Satz: "Jeder Offizier, der ohne sein Schwert in Aktion tritt, ist unangemessen gekleidet".

Eine Beispiel an Tapferkeit

Trotz seines Ranges kämpfte er immer in der ersten Linie. Dabei huldigte er einem Offiziersideal aus der Zeit Friedrichs des Großen. Ein Truppenoffizier hatte damals vor allem eine Aufgabe. In der Schlacht musste er seinen Männern ein Beispiel geben. Er ging in tadelloser Haltung vor der Linie seiner Soldaten ins feindliche Feuer. So ein Beispiel gab Churchill eben auch. Im Kriegstagebuch seiner Einheit wurde vermerkt: "Einer der beruhigendsten Momente der Einschiffung von Dünkirchen war der Anblick von Kapitän Churchill, der mit Pfeil und Bogen am Strand entlangging. Sein Vorbild und seine großartige Haltung waren eine große Hilfe."
Seine letzten kriegerischen Einsätze erlebte Churchill im damals britischen Mandatsgebiet von Palästina. Dort kämpften israelische und arabische Untergrundgruppen erbittert gegeneinander und beide bei Gelegenheit gegen die Briten. Bei zwei Gelegenheiten half er, jüdische Ärzte und Patienten zu evakuieren, die vom Gegner eingeschlossen waren. "Mad Jack" ignorierte die Kämpfer einfach und fuhr durch ihre Reihen. In Paradeuniform stehend in seinem Jeep ließ er sich keine Angst anmerken.
Quelle: Warefare History 
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