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Google Doodle Rosalind Franklin: Die unbekannte Entdeckerin der Doppelhelix

Ohne sie hätte die Wissenschaft vermutlich nicht nur den DNA-Aufbau erst Jahre später entdeckt, sondern auch das Potential von Frauen in der Forschung. Rosalind Franklin wäre heute 93 geworden.

Von Julia Holzapfel

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Biologieunterricht in der neunten Klasse. Beim Durchblättern ihres Hefts werden Sie vermutlich auf eine selbstgemalte Doppelhelix stoßen - die zentrale Struktur der DNA. Als Entdecker dieser Struktur haben Sie damals in der Neunten James Watson und Francis Crick darunter geschrieben. Was Ihnen der Biologielehrer aber wahrscheinlich vorenthalten hat, ist der Name einer Frau, ohne deren wissenschaftliche Anstrengungen Watson und Crick die Struktur des Moleküls nicht entdeckt hätten. Die Rede ist von Rosalind Franklin, einer aus London stammenden Wissenschaftlerin, die in einer Zeit über DNA forschte, in der man über die Beschaffenheit des Erbguts noch wenig wusste.

Rosalind Elsie Franklin kommt am 25. Juli 1920 im Londoner Stadtteil Notting Hill zur Welt. Am Newnham College in Cambridge studiert sie physikalische Chemie, was sie 1941 erfolgreich abschließt. Das College verleiht ihr im Anschluss ein Forschungsstipendium, das sie allerdings aufgrund der Wirren des Zweiten Weltkriegs ablehnt. Stattdessen unterstützt Sie das "Air Raid Protection" Programm der Briten, bei dem sie versucht, die Zivilbevölkerung bei Luftangriffen zu schützen. Daneben nahm sie ihre Forschertätigkeit für Kriegszwecke wieder auf und untersuchte den chemischen Aufbau von Kohle und den daraus entstehenden Nutzen für die Kriegsindustrie.

Späte Anerkennung

Die Erkenntnisse aus der Kohleforschung verwendet sie auch in ihrer Promotion, 1945 wird ihr in Cambridge der Doktortitel verliehen. Danach geht sie für mehrere Jahre nach Paris und forscht im Bereich der Röntgenstrahlen. 1950 wird sie erneut Forschungsstipendiatin in Cambridge, wo sie sich mit dem Zusammenhang von Röntgenstrahlung und DNA beschäftigt. Ihr zentrales Anliegen ist die Herstellung klarerer Röntgen-Schattenbilder von DNA-Molekülen. Schon bald entdeckt sie anhand der Bilder die Dichte der DNA und wenig später führt sie auch den Gedanken des Doppelhelix-Aufbaus ein. Das legte den Grundstein für die spätere endgültige Formulierung der Molekularstruktur von Watson und Crick. 1958 wurde ihr bahnbrechendes Engagement in der Genetik durch ihren Tod beendet. Sie starb an Eierstockkrebs.

In der Wissenschaftscommunity gilt Rosalind Franklin heute als Symbol für die erfolgreiche Arbeit von Frauen in der Wissenschaft. Zu der Zeit, zu der Franklin forschte, bekamen weibliche Wissenschaftlerinnen - insbesondere in den Naturwissenschaften - nur wenig Anerkennung. Auch Franklins Leistungen wurden zu Lebzeiten nicht anerkannt. Den Nobelpreis für die Entdeckung der DNA-Struktur erhielten 1962 Watson und Crick, wobei erwähnt werden muss, dass der Nobelpreis nur an noch lebende Personen verliehen wird.

Erst mehrere Jahrzehnte nach ihrem Tod wurde ihre Arbeit von Kollegen gewürdigt: Chemie-Nobelpreisträger Aaron Klug sprach in seiner Preisrede 1982 über Franklin. Eine späte Ehrung erhielt die Britin auch von der Finch University of Health Sciences in Chicago, die seit 2004 Rosalind Franklin University of Medicine and Science heißt. Und die in New York ansässige Rosalind Franklin Society engagiert sich für die Förderung von Frauen in der Wissenschaft.