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HIV, Sars und Schweinegrippe: Wappnen gegen die nächste Seuche

Viren sind ungemütliche Zeitgenossen: Sie mutieren und springen mitunter von einer Spezies zur anderen. Auf der weltweit gröβten Wissenschaftstagung AAAS in San Diego haben Forscher neue Projekte vorgestellt, um gefährliche Erreger zu entdecken, bevor sie den Menschen bedrohen.

Von Astrid Viciano

Wenn Peter Daszak über die Zukunft spricht, möchte man alsbald die eigene Haustür verrammeln, die Fenster fest schlieβen und einen Mundschutz aufsetzen. Denn er redet von Viren, die dem Menschen eines Tages den Garaus machen könnten. Davon, dass Infektionserreger ständig mutieren, sich mit verwandten Virenstämmen mischen und manchmal sogar die Fähigkeit entwickeln können, von einer Spezies zur anderen überzuspringen.

Doch geht es dem Ökologen nicht darum, seine Zuhörer in Angst zu versetzen. Auf dem diesjährigen AAAS-Kongress, der weltweit größten Wissenschaftstagung in San Diego, berichten er und andere Forscher über Projekte, mit denen sie potentiell gefährliche Erreger frühzeitig entdecken wollen. "Wir wollen Viren in der Natur finden, bevor sie eine Bedrohung für den Menschen werden", sagt Daszak. So wissen Forscher heute, dass der Aids-Erreger HIV einst von Schimpansen und anderen Affenarten aus Zentralafrika entstammte; der Sars-Erreger kam zunächst in Fledermäusen vor. Bis heute hat allein HIV in Form von Aids mehr als 25 Millionen Menschen das Leben gekostet.

Globales Frühwarnsystem geplant

In San Diego stellten die Forscher Details der so genannten "One-Health-Initiative" vor – einem Programm, das Tiermediziner und Ärzte, Ökologen und Vertreter von Gesundheitsbehörden bei der Suche nach künftigen Seuchenerregern vereinen will. Gemeinsam sollen sie nach allgemein gültigen Mustern fahnden, mit denen sie mögliche Ausbrüche vorhersagen können, ähnlich wie ein Metereologe, der mit Hilfe von zum Beispiel Temperaturmessungen, Luftströmungen, Wolkenmustern das Wetter prognostiziert. "Wir haben bereits viel über One Health gesprochen. Nun müssen endlich Taten folgen", fordert Carol Rubin, Leiterin der One-Health-Abteilung am Center for Disease Control, der obersten amerikanischen Seuchenbehörde.

Immerhin gab die amerikanische Behörde für internationale Entwicklung Usaid im Oktober 2009 bekannt, ein globales Frühwarnsystem zu entwickeln. Das Project "Predict" wird mit bis zu 75 Millionen Dollar (55 Millionen Euro) in den nächsten fünf Jahren unterstützt, und der Wildlife Trust wird das System gemeinsam mit vier Partnerinstitutionen entwickeln. Hatte sich Usaid bislang vor allem der Verfolgung des Vogelgrippe-Virus H5N1 in Wildvögeln gewidmet, möchte sich die Behörde nun auf breiterer Basis mit der Prävention neuer Infektionskrankheiten befassen.

Die meisten Erreger hausten zuvor in Tieren

Schon heute wissen Forscher, dass Faktoren wie eine hohe Bevölkerungsdichte das Risiko für neue Infektionskrankheiten erhöhen. Auch gelten Regionen mit einer hohen Artenvielfalt als Brennpunkte für die Zukunft. "Wenn Menschen sehr eng mit Tieren in Kontakt kommen, ist die Gefahr für neue Erkrankungen groß", sagt Daszak vom Wildlife Trust. Seit 1940 hat sich die Zahl neuer Infektionskrankheiten fast vervierfacht, und die weitaus meisten Erreger hausten in Tieren, bevor sie sich vom Tier zum Menschen überspringen konnten. Daher besuchen Daszak und seine Kollegen regelmäβig groβe Tiermärkte in China, entnehmen den Verkäufern Blutproben, untersuchen das zum Verkauf angebotene Fleisch. "Wir hoffen, dort das nächste Sars-Virus zu finden, bevor es sich unter den Menschen ausbreitet", sagt Daszak.

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