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Homophobie in Texas: Warum es Unsinn ist, Homosexualität therapieren zu wollen

In Texas wollen die Republikaner Therapien zulassen, die Menschen angeblich von ihrer Homosexualität "befreien". Das ist nicht nur Unsinn, sondern auch gefährlich.

Von Lydia Klöckner

Homosexualität sei "heilbar", hieß es gestern auf der jährlichen Versammlung der Texanischen Republikaner in Fort Worth. Die Partei hat psychotherapeutische Programme in ihr Parteiprogramm aufgenommen, die Menschen dabei helfen sollen, ihre sexuelle Orientierung zurückzudrängen. Eine "wiedergutmachende Therapie und Behandlung", die "nach Heilung und Ganzheit ihres homosexuellen Lebensstils strebe", solle für alle Patienten als rechtmäßig und effektiv anerkannt und der Zugang dazu durch kein Gesetz und keine Anordnung behindert werden, so der Beschluss der Republikaner.

Damit entfacht die konservative Partei eine uralte Debatte neu: Lässt sich die sexuelle Orientierung eines Menschen verändern? Aus ethischer Sicht gelten sogenannte Reparativtherapien oder Konversionstherapien, die eine Umpolung sexueller Vorlieben anstreben, als diskriminierend. Sie sind selbst unter christlich Gesinnten höchst umstritten. Aus wissenschaftlicher Sicht sind sie schlicht Unsinn: Da Homosexualität weder eine psychische Störung noch eine Krankheit ist, wurde sie bereits 1973 aus dem weltweit anerkannten Krankheitskatalog (DSM) der American Psychiatric Association gestrichen. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) stellte zuletzt in einer Stellungnahme eindeutig klar, dass es sich bei der Homosexualität "um eine zur Norm gehörende sexuelle Orientierung" handelt.

Über die Ursachen der Vorliebe für gleichgeschlechtliche Partner sind sich Mediziner, Psychologen, Sozialwissenschaftler und Evolutionsbiologen zwar bis heute nicht einig: Welche Faktoren entscheiden, ob ein Mensch homo- oder heterosexuell wird? Wie konnte sich ein Verhalten durchsetzen, das nicht zur Erhaltung der Art oder Nachwuchs führt? Dass die sexuelle Orientierung ein natürliches und angeborenes Phänomen ist, sich also nicht erst im Laufe des Lebens entwickelt, ist mittlerweile aber gut belegt. Die Behauptung der Republikanerin Cathie Adams, dass Homosexualität eine Frage des "Lebensstils" sei, den man mehr oder minder frei wählen könne lässt sich aus Sicht der Medizin jedenfalls kaum halten. "Homosexualität ist ein Teil des menschlichen Naturells und gehört zum Kern seiner Persönlichkeit - natürlich kann man sie nicht einfach entfernen", so der Psychiater Götz Mundle, der Leiter des DGPPN Referates "Sexuelle Orientierung in Psychiatrie und Psychotherapie" ist und die DGPPN-Stellungnahme zu den Reparativtherapien mitverfasst hat.

"Reparative" Therapien schaden der Psyche

Nach Ansicht vieler Psychologen und Psychiater sind "reparative" Verfahren nicht nur unwirksam, sondern bedenklich und riskant. "Da Homosexualität nichts Erlerntes ist, kann man sie auch nicht einfach aberziehen", erklärt Mundle. "Konversionstherapien vermitteln den Betroffenen das Gefühl, dass ihr sexuelles Empfinden falsch oder gar krank ist und nicht den äußeren Ansprüchen entspricht." Das könne zu einer inneren Zerrissenheit führen, die das Selbstwertgefühl schwäche, Menschen in den sozialen Rückzug treibe und schwere psychische Krisen bis hin zu Suiziden auslösen könne.

In der Tat deuten Studien daraufhin, dass "reparative" Behandlungsansätze zu Depressionen, Drogensucht, Angststörungen und Suizidwünschen führen können. Die American Psychiatric Association und die American Psychological Association sprachen sich schon vor rund einem Jahrzehnt gegen die Verfahren aus, weil sie mit zu großen gesundheitlichen Risiken einhergehen. In den US-Staaten Kalifornien und New Jersey sind sie für Minderjährige seit vergangenem Jahr verboten.

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