Lungenentzündung Oft tödlich


Mit 20 000 Todesfällen im Jahr gehört die Lungenentzündung zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Doch erforscht ist sie bisher kaum.

Etwa 240 000 Menschen im Jahr müssen in Deutschland mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus. Das sind fast doppelt so viele, wie nach einem Herzinfarkt. Mit fast 20 000 Todesfällen im Jahr gehört die Lungenentzündung bei uns zu den häufigsten Todesursachen, doch erforscht ist die Krankheit bislang wenig. An der Universität Lübeck sind Mediziner verschiedener Fachrichtungen im "Kompetenznetzwerk ambulant erworbene Pneumonien" (CAP-Netz) den Ursachen und Folgen dieser Krankheit auf der Spur.

Häufigste Todesursache

Rund 800 000 Menschen erkranken nach Schätzungen von Fachleuten pro Jahr allein in Deutschland an einer Lungenentzündung. In den westlichen Industrienationen sei sie die häufigste zum Tode führende Infektionskrankheit, sagt der Leiter des Lübecker Netzwerkzentrums, der Pneumologe Klaus Dalhoff. "Mit Hilfe des Netzwerkes wollen wir erstmals umfassende Informationen über die Krankheit sammeln", sagt er. Um möglichst viele Daten zu erhalten, beteiligen sich bundesweit acht klinische Zentren an dem Netzwerk, darunter auch Berlin, Magdeburg und Würzburg. Das Forschungsvorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für drei Jahre gefördert.

Lungenentzündungen entwickeln sich oft aus harmlosen Erkältungskrankheiten oder einer einfachen Bronchitis. Sie können aber auch von Bakterien oder Viren, wie zum Beispiel Grippeviren, verursacht werden. "Neue Varianten des Grippevirus’ sind heute offensichtlich immer häufiger Ursache für Lungenentzündungen", sagt Dalhoff. Die Lungenkrankheit Sars sei ein gutes Beispiel dafür, dass immer wieder neue Erreger auftauchten, sagt er.

Sars noch nicht besiegt

Der Direktor des Instituts für Biochemie der Uni Lübeck, Rolf Hilgenfeld, arbeitet gemeinsam mit chinesischen Kollegen der University of Tsinghua in Peking daran, weitere Wirkstoffe zu finden, die die Proteinstruktur des Sars-Virus’ angreifen können. Hilgenfeld hatte im Mai einen ersten Wirkstoff gegen das Virus entdeckt. "Der Wirkstoff wird zurzeit von der pharmazeutischen Industrie weiterentwickelt. Aber von einem wirksamen Medikament gegen SARS sind wir noch weit entfernt", sagt Hilgenfeld.

In dem CAP-Netzwerk werden in der Medizinischen Klinik III und in 46 Lübecker Arztpraxen Lungenpatienten untersucht, zu ihrer Krankengeschichte und ihrem sozialen Hintergrund befragt und behandelt. Die genauere Erforschung der Ursachen der Krankheit gehört ebenso zum Programm des Netzwerkes, wie die Entwicklung mikrobiologischer Diagnosemöglichkeiten. Außerdem sind die Mediziner auch an epidemiologischen Daten interessiert, also an der Frage, wie häufig die Krankheit auftaucht, ob es bestimmte Schwerpunkte oder Risikogruppen gibt.

Im Institut für Sozialmedizin der Uni Lübeck werden dafür Patientendaten aus ganz Deutschland ausgewertet und mit denen gesunder Menschen verglichen. "Mit ersten aussagefähigen Ergebnissen rechnen wir im nächsten Jahr", sagt der Epidemiologe Torsten Schäfer vom Institut für Sozialmedizin.

Eva Maria Mester DPA

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