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Menschliche Evolution: Forscher entdecken unbekannte Menschenart

Vor 40.000 Jahren lebte im sibirischen Altaigebirge eine Menschenform, die Forschern bislang unbekannt war. Mithilfe eines Fingerknochens und dem darin enthaltenen Erbgut kamen deutsche Wissenschaftler dem frühen Menschen auf die Spur.

Welche frühen Menschen bevölkerten vor 40.000 Jahren die Welt? Bis vor ein paar Jahren war die Antwort darauf: die frühen modernen Menschen und die Neandertaler. Erst 2003 berichteten Forscher von einem weiteren, dem Homo floresiensis, nachdem Überreste der kleinwüchsigen Frühmenschen auf einer indonesischen Insel entdeckt wurden. Nun berichten Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie im Fachmagazin "Nature" von einer weiteren Menschenform.

Sie hatten Erbmaterial aus einem in Sibirien entdeckten Fingerknochen mit dem von Neandertalern und heute lebenden Menschen verglichen - mit dem Ergebnis, dass die DNA weder dem einen noch dem anderen hinreichend ähnelte. Der Knochen war 2008 in einer 33 Meter langen Höhle im Altai-Gebirge im südlichen Sibirien gefunden worden. Analysiert hat das Team um Johannes Krause und Svante Pääbo die sogenannte mitochondriale DNA aus den "Kraftwerken" der Zelle, die ausschließlich mütterlicherseits vererbt wird. Der Finger gehörte demnach einer Menschenform, die vor mehr als 30.000 Jahren in dem Gebirge in Zentralasien lebte. Das Alter des Fossils deutet darauf hin, dass die Gruppe parallel zu Neandertalern und modernen Menschen gelebt haben könnte.

Erstmals durch Erbgut-Analyse ermittelt

Der gemeinsame Vorfahr der drei Menschenformen habe der Analyse nach vor etwa einer Million Jahren gelebt, schreiben die Forscher in "Nature". Homo erectus verließ nach heutigem Stand der Forschung vor etwa 1,9 Millionen Jahren Afrika, die Vorfahren der Neandertaler begaben sich vor rund 500.000 bis 300.000 Jahren auf Wanderschaft, die des modernen Menschen vor etwa 50.000 Jahren. Der Fund weise auf eine weitere Auswanderungswelle vor etwa einer Million Jahren hin.

Die Entdeckung birgt ein Novum: Erstmals wurde eine neue Menschenform mittels einer Erbgut-Analyse entdeckt. In der wahrscheinlich schon vor 125.000 Jahren von Menschen bewohnten Höhle hätten sich zwar zahlreiche Fossilien gefunden, meist aber Fragmente und keine vollständigen Knochen, erläutert Terence Brown von der Universität Manchester in Großbritannien in einem Begleittext in "Nature". Die Bodenschicht mit dem Fingerknochen sei auf etwa 30.000 bis 48 000 Jahre datiert worden.

DPA / DPA
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