Motivation Böse gute Vorsätze


Für viele ist Silvester nicht nur ein Abschied vom alten Jahr, sondern auch einer von ungeliebten Gewohnheiten. Doch Psychologen warnen vor vorschnell gefassten "guten Vorsätzen" - die können schädlich sein.

Mehr Sport, weniger Alkohol, mehr Zeit für die Familie, endlich mit dem Rauchen aufhören - gute Vorsätze gehören zu Silvester wie Feuerwerk, Bleigießen und Käsefondue. Und häufig haben die edlen Vorhaben auch eine ähnlich kurze Halbwertzeit wie die nächtlichen Vergnügungen. Daher verzichten mittlerweile knapp zwei Drittel der Deutschen darauf, zum Beginn des neuen Jahres Pläne für ein besseres Leben zu schmieden - auch wenn Janus als Namenspatron des Januars der Gott des Neubeginns ist.

Nach einer US-Studie ist in der Regel die Hälfte aller guten Vorsätze schon nach einem halben Jahr Schnee von gestern. Auf lange Sicht scheitern nach Überzeugung der Wissenschaftler sogar 80 Prozent der Bemühungen. Umfragen zufolge sinkt die Bereitschaft zu solchen Vorhaben mit dem Alter - vermutlich das Ergebnis vieler frustrierender Erfahrungen.

Gute Vorsätze können auch blockieren

Für Psychologen ist der gute Vorsatz zum neuen Jahr ohnehin ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite begrüßen die Experten jeden Versuch, die Lebensqualität aus eigenem Antrieb zu verbessern. Auf der anderen Seite warnen sie vor einer "Misserfolgsfalle", wenn vorschnell gefasste Entschlüsse immer wieder zurückgenommen werden müssen. Im Extremfall könnten dadurch selbst dringend notwendige Veränderungen auf Dauer blockiert werden, betont die Leitende Psychologin der Christoph-Dornier-Klinik in Münster, Birgit Mauler.

Die Misserfolgsfalle sei ein motivationspsychologisch sehr einfacher, aber wirkungsvoller Mechanismus. Gute Vorsätze bezögen sich in der Regel auf Angewohnheiten und Situationen, die nicht mit Leichtigkeit verändert werden könnten und schon lange Zeit vorherrschten. Ansonsten wäre ja zur Veränderung gar kein guter Vorsatz notwendig, sagt Mauler.

"Meist nehmen wir uns viel zu viel vor"

Doch gerade die Vorhaben zum neuen Jahr laufen nach Angaben der Experten Gefahr zu scheitern: "Meist nehmen wir uns viel zu viel vor. Was jahrelang aufgeschoben wurde, soll ruck zuck geändert werden", sagt der Psychologe Frank Meiners von der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK). Schon nach kurzer Zeit fühlen sich die Menschen dann überfordert und geben auf.

"Je häufiger man aber gute Vorsätze nicht umsetzen kann und sich als Versager fühlt, desto weniger glaubt man daran, dass eine Verhaltensänderung überhaupt möglich ist", betont Mauler. Da es anscheinend eh nicht funktioniere, werde es immer unwahrscheinlicher, dass später auch besser geplante Veränderungen in Angriff genommen würden.

"Ausrutscher sind verzeihlich"

Um die Erfolgsaussichten der guten Vorsätze zu steigern, empfehlen die Experten, sich nur das vorzunehmen, was man selbst wirklich will. Auf keinen Fall sollten Gewohnheiten der Familie, den Freunden oder dem Arzt zuliebe aufgegeben werden. Zu viele Pläne auf einmal steigern laut Mauler ebenfalls die Gefahr des Scheiterns: "Rauchen aufhören und gleichzeitig keinen Alkohol mehr trinken, ist zu viel auf einmal." Wer seine guten Vorsätze dagegen nacheinander umsetze, sei in der Regel am erfolgreichsten.

Die Veränderungen sollten zudem klar formuliert und die Wege dahin ebenso klar festgelegt werden. Geplant werden sollte auch schon im Vorhinein, wie mit Versuchungen und Hemmnissen umgegangen werde. Wenn es gut klappe und Teilerfolge erzielt würden, könnten kleine Belohnungen helfen, erklärt die Psychologin. Vor allem aber solle niemand aufgeben, wenn die Pläne kurzfristig nicht umgesetzt werden könnten: "Ausrutscher sind verzeihlich."

Froben Homburger, AP AP

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