Psychologie Cindy ist out, Marie bleibt in Mode

Schnell in Mode gekommene Namen wählen Eltern nicht gerne für ihre Sprösslinge
Schnell in Mode gekommene Namen wählen Eltern nicht gerne für ihre Sprösslinge
© Colourbox
Die Vornamen "Marie", "Leonie" und "Maximilian" wird man wohl noch länger auf Spielplätzen hören. "Charlene" hingegen wahrscheinlich nicht. Denn auch bei den Vornamen gibt es Trends, die zünden, wie eine Rakete. Genauso schnell sind sie aber auch wieder verpufft.

Vor einigen Jahren waren Cindy und Kevin in Deutschland beliebt. Aus den Namenslisten der Gesellschaft für Deutsche Sprache, die jährlich die beliebtesten Vornamen ermittelt, sind beide schon seit einiger Zeit verschwunden. Vor allem biblische Namen wie Lukas oder Maria halten sich dagegen. US-Forscher haben nun Vornamen unter die Lupe genommen und herausgefunden: Je schneller Vornamen in der Gesellschaft in Mode kommen, desto schneller verebbt diese Welle auch wieder. Ihre Ergebnisse präsentieren die amerikanischen Wissenschaftler Jonah Berger von der Universität Pennsylvania und Gaël Le Mens von der Stanford Universität in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften.

Berger und Le Mens untersuchten die Vergabe von 2570 verschiedenen Vornamen in den Vereinigten Staaten und in Frankreich zwischen 1900 und 2005. Die Beliebtheit von "Charlene" sei in den USA etwa von 1910 bis 1950 angestiegen und in den folgenden 50 Jahren wieder abgeebbt, schreiben sie. Der Name "Tricia" dagegen hatte einen steilen Aufstieg von 1950 bis 1970 und sank dann rasch bis 1990. Die Kurve für den Namen "Kristi" verlief ähnlich.

Trendnamen sind kurzlebig

Zudem befragten die Forscher werdende Eltern über deren mögliche Namenswahl für das erwartete Kind. Dabei zeigte sich, dass schnell in Mode gekommene Namen weniger gerne gewählt werden. Die Eltern begründeten ihre Wahl mit der Furcht, dass diese Trendnamen besonders kurzlebig sein würden. Letzteres Ergebnis zeige, dass kulturelle Modeerscheinungen einer selbsterfüllenden Dynamik unterliegen können, erklären Berger und Le Mens: Trends, die als kurzlebig angesehen werden, werden kaum verfolgt und sterben daher entsprechend schneller aus. Die Kurzlebigkeit schnell aufkeimender Modenamen führe zudem dazu, dass insgesamt vergleichsweise wenige Kinder diese Namen erhalten.

Vornamen eignen sich besonders gut zur Untersuchung kultureller Präferenzen, da sie nicht von technologischen Entwicklungen und Werbekampagnen beeinflusst werden, betonen Berger und Le Mens. Die Lebensdauer von Namenstrends sei aber nur begrenzt auf andere kulturelle Bereiche übertragbar. Die vorliegenden Ergebnisse betreffen vor allem solche Bereiche, die mit hohem symbolischem Wert verbunden sind wie Autos, Kleider oder eben auch Vornamen.

DPA DPA

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