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Rossini-Doodle zum Schaltjahr: Geburtstag? Alle vier Jahre wieder!

Gioachino Rossini ist das bekannteste Schaltjahres-Geburtstagskind. Auch Google hat das erkannt und gestaltet ein Doodle für den Komponisten. Viele andere sind mit dem besonderen Geburtsdatum allerdings unzufrieden.

Von Ann-Katrin Müller

Gioachino Rossini ist auch so einer. Einer, der nur alle vier Jahre Geburtstag hat. Der italienische Komponist, der für seine Opern Der Barbier von Sevilla und "La Cenerentola" bekannt ist, wurde am 29. Februar 1792 geboren - einem Schalttag. Wie viele Menschen das Problem Rossinis haben, kann man nur schätzen, da das Bundesamt für Statistik nicht die Geburtenzahlen einzelner Tage erfasst. In Deutschland sind es vermutlich 55.000. Auch einige prominente Deutsche wurden an dem Extratag geboren, zu den Jüngeren zählen Benedikt Höwedes von Schalke 04, Model Lena Gercke und die Schauspielerin Vanessa Jung.

Belcanto-Komponist Rossini bekam zu seinem 220. - beziehungsweise 53., wenn man nur die tatsächlich stattgefundenen 29. Februare berücksichtigt - Geburtstag sogar ein Google Doodle. Die themenbasierten Logos auf der Homepage des kalifornischen Unternehmens greifen besondere Daten auf, zuletzt wurde der 155. Geburtstag Heinrich Rudolf Hertz' mit einer sich bewegenden Radio-Welle geehrt.

Passend zum Datum vereint das Doodle des 29. Februar 2012 den diesjährigen Schalttag mit dem Ehrentag Rossinis: Seine Oper "Der Barbier von Seville" wird durch Frösche dargestellt. Die sprungkräftigen Amphibien werden vor allem im englischsprachigen Raum häufig als Symbole für den Schalttag genutzt - passend zum anglikanischen Begriff für Schaltjahr: "leap year".

Also singt die Froschdame im roten Kleidchen nicht nur eine Arie Rossinis, sondern springt in die Höhe, während sie von einem weiteren Frosch am Flügel begleitet wird. Graf Almaviva wird indes von Figaro, dem Barbier von Seville, rasiert.

So viel Ehre wird dem Großteil der am Schalttag Geborenen nicht zuteil. Auch die Besonderheit des Datums täuscht nicht darüber hinweg: Der Schalttag ist weder als Geburtsdatum noch als Hochzeitsdatum beliebt. Geburtshelferinnen beobachten das seit Jahren: "Die Frauen mögen dieses Datum nicht, weil ihre Kinder dann so selten Geburtstag haben", sagt Gabi Bräuning, Hebamme am Klinikum im thüringischen Suhl.

Eltern konfrontieren Standesbeamte manchmal mit dem Wunsch, lieber den 28. Februar oder den 1. März als Geburtstag von Neugeborenen zu beurkunden. "Das ist aber rechtlich gar nicht möglich", sagt Jürgen Rast, Präsident des Bundesverbandes der Standesbeamten: "Wenn auf der Geburtsanzeige des Krankenhauses der 29. Februar steht, dann ist das verbindlich."

Auch bei Brautpaaren ist der Schalttag nicht sonderlich gefragt: "Normalerweise sind besondere Termine immer beliebt", sagte Kerstin Godenschwege aus dem Standesamt in Hamburg-Altona dem NDR. Der 29. Februar sei da jedoch eine Ausnahme. "Nur alle vier Jahre Hochzeitstag feiern zu können, das schreckt wohl ab."

Besonderer Gedenktag

Die Nichtregierungsorganisation Europäische Organisation für Seltene Krankheiten" fand, dass der rar gesäte Tag indes sehr gut passt und ernannte ihn zum Gedenktag. Unter dem Motto "Selten, doch gemeinsam stark!" wird in diesem Jahr in mehr als 40 Ländern daran erinnert. In Europa haben bis zu 36 Millionen Menschen eine seltene Krankheit. Davon ist die Rede, wenn höchstens fünf von 10.000 Menschen an ihr leiden.

Auch die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences hat kein Problem mit dem Tag. Schon zwei Mal verlieh sie den Oscar an dem Datum, 1940 und 2004. In beiden Jahren gab es herausragende Gewinner: "Vom Winde verweht" gewann zehn Goldstatuen, während "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" sogar elf Oscars mitnehmen durfte. Doch warum braucht man Schalttage überhaupt? Das Problem ist das sehr ungerade natürliche Zeitmaß, das durch die Umlaufzeit der Erde um die Sonne zustande kommt. Demnach hat das Jahr im Mittel 365,2422 Tage, zwischen zwei Neumonden liegen 29,5306 Tage. Der von uns verwendete gregorianische Kalender besteht aus 365, 2425 Tagen. In allen glatt durch vier und durch 400 teilbaren Jahren gibt es also Schaltjahre, alle glatt durch 100 teilbaren Jahre werden dabei ausgespart.

Das war auch schon zu Rossinis Zeiten so. Seit 1972 werden die bleibenden minimalen Abweichungen vom Sonnenjahr mit gelegentlich eingefügten Schaltsekunden ausgeglichen. Den Genussmenschen und leidenschaftlichen Esser wird eine Sekunde mehr oder weniger nicht gestört haben. Für ihn wird jeder Tag, an dem er seine Leibspeise gegessen hat, ein feierwürdiger Tag gewesen sein. Die nach ihm benannten "Tournedos alla Rossini" sind auch heute noch ein würdiges Geburtstagsgericht: Rinderfiletsteaks mit einer Scheibe Foie Gras und gehobelten schwarzen Trüffeln.