HOME

Samurai-Fitness in Tokio: Japanerinnen entdecken den Schwertkampf

Yoga? Pilates? Ist doch langweilig. Viel spannender finden junge Japanerinnen Samurai-Fitness. Unter dem Motto "Schwerter machen Spaß" kloppen sie sich im Aerobic-Studio.

Im "Samurai Camp" in Tokio geht es hoch her: "Runter mit dem Schwert!", ruft ein Fitness-Trainer, während schweißgebadete Frauen mithilfe seiner Kommandos Samurai-Hiebe nachahmen. "Den rechten Fuß nach vorne, runter mit dem Schwert, die Brust raus, den Rücken gerade", bellt der Japaner zu Technorhythmen. "Das überflüssige Fett muss weg!" Vor ein paar hundert Jahren erledigten die Samurai mit Schwertern ihre Feinde - heute machen die Waffen überflüssigen Pfunden den Garaus. Damit die Fitness-Stunde nicht in einem Blutbad endet, sind die Schwerter aus Polyurethan-Hartschaum und Holz. An der eisernen Entschlossenheit der Teilnehmer ändert das nichts: Ihr Ziel ist es, mithilfe der Kampf-Fitnessart in einem Monat fünf Kilogramm abzunehmen.

Vor allem Frauen sind begeistert

Mehr als 100 Frauen haben sich für die Kurse im "Camp Samurai" zum Preis von umgerechnet 18 Euro pro Stunde angemeldet. Dass der Kurs so beliebt ist, liegt am gegenwärtigen Samurai-Boom in Japan. Kurs-Initiator Takafuji Ukon, eigentlich Choreograph und Tänzer, ist vom Erfolg des Programms begeistert. Ursprünglich hatte er Männer als Kunden im Visier, als der 31-Jährige in seinem verspiegelten Aerobic-Studio das Training mit Schwertern begann. Doch statt Männern kamen vor allem Frauen zu dem martialischen Kurs. "Ich dachte, Schwerter sind für Männer und Fächer für Frauen", sagt er. "Das war falsch."

Ukon ist Meister im Schwerttanz, einem vermutlich Jahrhunderte alten Tanz der Samurai-Krieger für den Seelenfrieden ihrer Toten. "Ich dachte, es wäre super, Fitness und japanische Schauspielkunst zusammen zu bringen, damit die Leute mit Spaß an der Sache abnehmen können", sagt Ukon. "Die Frauen können damit in eine Rolle schlüpfen, die sie sich nie vorstellen konnten. Sie sind begeistert davon, sich selbst im Spiegel mit einem Schwert zu sehen - etwas, das für sie bisher undenkbar war."

Ukon beschwört seine Schülerinnen nicht nur, mit dem Schwert dem Körperfett, sondern auch negativen Gefühlen und Impulsen den Kampf anzusagen. "Wir leben nicht in einer Zeit, in der man Menschen mit dem Schwert bekämpft. Was wir bekämpfen, ist das Schlechte in uns selbst."

"Hätten tausend Menschen aufgeschlitzt"

Seine Schülerinnen sind begeistert: "Ich habe sehr viel geschwitzt und meine Hüften wie wild bewegt. Schwerter machen Spaß", sagt die 20-jährige Midori Ito, Angestellte in der Werbebranche. Auch die 40-jährige Kazuko Ueda, Managerin in einer IT-Firma, schwärmt: "Ein Schwert zu halten ist sehr authentisch. Es macht auch Spaß, mit der japanischen Kultur ein bisschen in Kontakt zu kommen. Und ein Schwert herumzuwirbeln fühlt sich gut an. Es fühlt sich an, als würde ich böse Menschen damit treffen, als wäre ich ein Samurai oder ein Held in einem Historiendrama." Eine 33-jährige Assistentin in einem Pharma-Labor hatte zunächst Probleme, im Takt zu bleiben. Aber es habe Spaß gemacht, kreuz und quer mit dem Schwert herumzufuchteln, berichtet sie. Und fügt fast stolz hinzu: "Ich habe gehört, dass wir in einer Stunde tausend Menschen aufgeschlitzt hätten, wenn es eine richtige Schlacht gewesen wäre."

Mehr zum Thema Fitness finden Sie auch bei unserem Partner fitforfun.de

Miwa Suzuki/AFP / AFP
Themen in diesem Artikel