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Textilforschung: Die heiße Mode der Wikinger

Die Wikinger kleideten sich keusch? Von wegen. Laut einer schwedischen Forscherin betonten die Frauen mit Schnallen ihre Brüste und ließen Unterröcke keck hervorlugen. Und die Männer: Die waren eitel!

Die Wikinger kleideten sich vor dem Einzug des Christentums bunter und provokativer als bisher gedacht: Lebhafte Farben, Seidenbänder und aufgenähte Spiegelstückchen verzierten häufig die Gewänder. Besonders die Männer waren bezüglich ihrer Kleidung eitel, fand Textilforscherin Annika Larsson von der Universität in Uppsala heraus. Die Frauen dagegen betonten mit runden Schnallen ihre Brüste und ließen das Unterkleid unterm Übergewand hervorgucken, berichtet die Universität Uppsala.

"Die Wikinger kombinierten orientalische Elemente mit nordischer Mode. Die Kleidung war dazu entworfen, drinnen um das Feuer herum vorgeführt zu werden", erzählt Larsson. Die Textilforscherin untersuchte für ihre Doktorarbeit zahlreiche Stofffunde aus der Gegend um Uppsala und um den Mälarsee in der Nähe von Stockholm und fand dabei heraus, dass das konservative Bild von der Wikingerkleidung ganz und gar nicht stimmt. Forscher nahmen bis jetzt an, dass die Frauen lange zweiteilige Trägerkleider trugen, die um die Taille mit einem Gürtel zusammengehalten und am Schlüsselbein mit Schnallen befestigt waren. Unter dem Gewand befand sich ein Leinenhemd, darüber ein Schal oder Pullover.

"Prüde Interpretation"

Nach Larssons Erkenntnissen waren die Röcke der Frauen dagegen einteilig, hinten mit Schleppe und vorne geöffnet, so dass das Leinenunterkleid hervorlugte. Die Schnallen zur Befestigung saßen auf den Brüsten, nicht am Schlüsselbein, was auch in Gräbern so zu sehen war. "Es war nur eine prüde Interpretation, dass die Schnallen während der Zersetzung der Leiche nach unten gerutscht sind", meint Larsson dazu.

Mit Einzug des Christentums etwa im Jahr 900 nach Christus kam diese provokante Sitte allerdings zum Erliegen. Die Handelsbeziehungen mit dem Osten wurden schlechter und neue mit dem christlichen byzantinischen Reich und dem westlichen Europa aufgebaut. Die mittelalterliche Mode zog in Skandinaven ein, die Kleider wurden keuscher und näherten sich dem traditionellen Bild der Wikingermode an. Die Textilforscherin hat damit einen Bruch in der bis jetzt als einheitlich angesehen Wikingerperiode (750 bis 1050 nach Christus) aufgedeckt. "Textilforschung sagt mehr über den Stand einer Gesellschaft aus als Traditionsforschung", meint die Wissenschaftlerin. "Denn alte Rituale halten sich oft lange über einen gesellschaftlichen Wandel hinaus, doch wenn Handelsrouten abgeschnitten werden, betrifft das die Mode sofort."

DDP / DDP
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