Tipps Richtig Ahnenforschung betreiben


"Aller Anfang ist schwer" heißt es so schön. Doch wer auf den Spuren seiner Vorfahren wandelt, wird sehen, dass es in der Familienforschung genau umgekehrt ist. Die ersten Äste des Stammbaumes sind nämlich schnell erklommen.

Doch je tiefer Sie graben, um an die Wurzeln Ihrer Familiengeschichte zu kommen, desto schwieriger wird es. Als erstes befragen Sie Ihre Eltern, Großeltern, Tanten und andere Verwandte. Sammeln Sie alte Fotos, spitzen Sie die Ohren, was für Anekdoten und Geschichten in der Familie erzählt werden, kopieren Sie Stammbücher und Urkunden. In der Regel ist es keine Hürde, die Daten von Eltern und Großeltern zusammenzutragen. Doch spätestens bei den Urgroßeltern versiegt die familiäre Wissensquelle - und die Suche beginnt.

Zuerst Verwandte und Urkunden sichten

Wenn Sie sich die Urkunden ansehen, werden Sie feststellen, dass sich daraus eine Kette ergibt. In den Urkunden Ihrer Eltern stehen die Namen Ihrer Großeltern. Deren Urkunden verraten wiederum die Namen ihrer Urgroßeltern. Diese Kette, die auf dem Prinzip beruht, dass Eltern - in aller Regel und soweit sie bekannt sind - in den Urkunden ihrer Kinder erwähnt werden, verfolgen Sie nun Generation für Generation zurück.

Dabei müssen Sie eine zeitliche Grenze beachten. Seit 1876 werden Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle bei den Standesämtern registriert. Vor dieser Zeit haben die Kirchengemeinden Buch geführt. Wenn ihr Großvater Alois Müller am 2. Mai 1900 in Rosenheim geboren wurde, schreiben Sie an das dortige Standesamt und bitten um die Kopie seiner Geburtsurkunde. Vergessen Sie nicht, das Verwandtschaftsverhältnis anzugeben, sonst verweigert das Standesamt Ihnen unter Umständen aus Datenschutzgründen die Auskunft. Eine Urkunde kostet sieben Euro. Die Gebühren der Standesämter sind bundesweit einheitlich. Wenn Ihre Angaben allerdings lückenhaft sind und Sie beispielsweise nur den Namen und den Ort, nicht aber das genaue Geburtsdatum wissen, kommen je nach Aufwand Suchgebühren zwischen 17 und 55 Euro hinzu. Familienforschung ist also kein ganz billiges Hobby.

Kirchengemeinden reagieren sehr unterschiedlich auf Anfragen

In der Regel antworten die Standesämter schnell und Sie sind mit Ihrem Stammbaum eine Generation weiter. Sie wissen nun, wie die Eltern von Alois hießen: Hubert und Meta Müller geborene Stiefel aus Rosenheim. Das Paar hat 1880 geheiratet - die Urkunde bekommen Sie beim Standesamt. Beide sind 1865 geboren. Um an die Geburtsurkunden zu kommen, wenden Sie sich jetzt - je nach Konfession - an die evangelische oder katholische Kirchengemeinde des Geburtsortes.

Nun kann Ihre Suche ins Stocken geraten. Kirchengemeinden reagieren recht unterschiedlich auf Anfragen von Familienforschern. Auch die Gebühren differieren erheblich. Wenn Sie Glück haben, geraten Sie an einen Pfarrer, der mit detektivischem Spürsinn seine Kirchenbücher wälzt und Ihnen die Urkunden schickt. Vielleicht schreibt Ihnen aber auch die Kirchenverwaltung, dass Sie selbst vorbeikommen können, um die Bücher einzusehen. Ein Angebot, das Sie unbedingt annehmen sollten. In Deutschland gehen die ältesten Kirchenbücher bis ins 15. Jahrhundert zurück. Sie sind die wichtigsten Quellen für Familienforscher. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie die alte deutsche Schrift lesen können. Das ist nicht so schwer, wie es auf den ersten Blick scheint und erleichtert die Suche ungemein (Harald Süß: Deutsche Schreibschrift - schreiben und lesen lernen). In katholischen Pfarreien sind die Kirchenbücher bis ins ausgehende 19. Jahrhundert mitunter noch in lateinischer Sprache verfasst. Kein Grund zum Verzweifeln. Laden Sie sich aus dem Internet eine Liste mit den gängigen Begriffen aus dem Kirchenlatein herunter. Oder ziehen Sie ein Buch zu Rate (Roger P. Minert: Alte Kirchenbücher richtig lesen).

Die Mormonen unterhalten das größte Familienforschungsarchiv der Welt

Leider kann es passieren, dass die Kirchengemeinde nicht antwortet. Wenn auch eine freundliche Erinnerung nicht fruchtet, wenden Sie sich an die Landeskirche oder ans Bistum. Dort werden mitunter Kopien der Kirchenbücher verwahrt. Oder Sie besuchen die Internetseite der Mormonen ((www.familysearch.org). Die Sekte unterhält das größte Familienforschungsarchiv der Welt und hat etliche Kirchenbücher und andere seltene Dokumente auf Mikrofilmen. Diese Schätze können Sie in den Familienforschungsstellen der Mormonen in aller Welt bestellen und einsehen (eine Liste mit den Adressen finden sie unter www.kirche-jesu-christi.org). In der Regel versuchen die Mormonen nicht, ihre Besucher zu bekehren. Wenn Sie die umstrittene Sekte trotzdem meiden wollen, schließen Sie sich einem Verein oder einer Mailing-Liste an (www.ahnenforschung.net oder www.genealogienetz.de).

Um Ihr mageres Datenskelett mit Fleisch zu füllen, sollten Sie die Orte bereisen, an denen Ihre Vorfahren zuhause waren. Vielleicht treffen Sie Zeitzeugen. Oder es gibt eine Ortschronik, in ihre Familie erwähnt wird. Besuchen Sie das Heimatmuseum und den Friedhof. Möglicherweise stoßen Sie auf Gräber von Vorfahren oder Verwandten. Checken Sie bei der Forschungsstelle für Personalschriften der Universität Marburg (www.uni-marburg.de/fpmr), ob irgendwo eine Leichenpredigt von der Beerdigung einer Ihrer Vorfahren archiviert ist. Selbst wenn ihre Familie keine Berühmtheiten hervorgebracht hat, ist das durchaus möglich. Blättern Sie in alten Lokalzeitungen. Waren Ihre Vorfahren Handwerker oder Geschäftsleute? Dann werden sie Anzeigen geschaltet haben. Vielleicht war ihr Ururgroßvater Schützenkönig. Oder er hat einen Arbeiteraufstand angeführt. Stöbern Sie auf dem Internet-Flohmarkt bei (www.ebay.de) unter Orten, an denen Ihre Vorfahren zuhause waren. Möglicherweise finden Sie eine alte Postkarte, auf der das Elternhaus ihres Urgroßvaters abgebildet ist. Selbst ein Klick auf so aussichtslos klingende Angebote wie "150 alte Fotos" kann sich lohnen. Wer weiß - vielleicht erkennen Sie Familienmitglieder, deren Fotos auf einem staubigen Dachboden vergessen wurden.

Kerstin Schneider

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