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Wissenschaftliche Untersuchung: Warum die Haut im Schwimmbad schrumpelig wird

Vom Besuch im Schwimmbad oder dem großen Abwasch kennen wir sie: runzelige Haut. Forscher haben jetzt herausgefunden, warum unsere äußere Hülle bei langem Kontakt mit Wasser verschrumpelt.

Wissenschaftler haben entschlüsselt, wie Schrumpelfinger im Schwimmbad oder in der Badewanne entstehen. Dahinter stecken komplexe Prozesse und Kräfte in der äußeren Hautschicht, schreiben die Experten von den Universitäten Tübingen und Erlangen-Nürnberg in der Fachzeitschrift "Physical Review Letters". Durch das Umstellen von glatt auf schrumpelig sorge die Haut dafür, dass der menschliche Körper sowohl im Wasser als auch an Land optimale Bedingungen habe, sagte der Tübinger Physiker Roland Roth am Donnerstag.

Hinter diesem Prozess stehe vor allem das Protein Keratin, das in der äußeren Hautschicht komplexe Fasern bilde. Kommt die Haut mit Wasser in Kontakt, nimmt Keratin die Feuchtigkeit auf und dehnt sich aus. Dadurch werde die Haut schrumpelig. Doch genau wie bei einer Spiralfeder, die man auseinanderzieht, gebe es auch bei den Keratin-Fasern Kräfte, die der Ausdehnung entgegenwirkten. Das sei entscheidend, damit die einzelnen Fasern sich nicht berühren und vernetzten. Denn dann könnten sie sich nicht mehr zusammenziehen - die Haut bliebe dann nach dem Baden für immer runzelig.

Materialien nach Vorbild der Haut

"Wir dürfen Wasser nicht zu schnell verlieren, wenn es in unserer Umgebung zu trocken ist", sagte Roth. Das schaffe die Haut, wenn sie glatt ist. "Wir müssen aber auch Wasser aufnehmen können, wenn wir uns in einer feuchten Umgebung aufhalten." Das passiere, wenn die Haut runzelig werde. Die Keratin-Fasern stellten sicher, dass dieser Wechsel immer wieder möglich sei.

Der Nutzen der Schrumpelhaut ist wissenschaftlich jedoch umstritten. Zuletzt haben Forscher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin getestet, ob man mit Schrumpelfingern die nasse Seife besser packen kann. Sie kamen zu dem Ergebnis, das schrumpelige Haut dabei keinen Vorteil bietet. Zuvor waren britische Forscher genau zum gegenteiligen Ergebnis gekommen.

Die Erkenntnisse über die Bedeutung von Keratin, die nun mit Hilfe eines Computermodells gewonnen wurden, könnten eines Tages dabei helfen, künstliche Materialien nach dem Vorbild der Haut zu schaffen, hoffen die Forscher aus Tübingen und Erlangen.

awö/DPA / DPA
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