"Hurdia victoria" Der Tyrannosaurus des Urzeit-Ozeans


Vor rund 500 bis 540 Millionen Jahren war "Hurdia victoria" ein Seemonster: Mit einem langen Schutzschild vor dem Kopf und mehreren Zahnreihen bewaffnet, jagte der Meeresbewohner in der Tiefe. Nach heutigen Maßstäben wäre das Tier jedoch vor allem eines: überraschend klein!

Aus Hunderten von Fossilfunden hat ein internationales Forscherteam um Allison Daley von der Universität in Uppsala das rund 20 Zentimeter messende und damit für heutige Verhältnisse eher kleine Seeungetüm rekonstruiert. "Hurdia victoria" muss ganz am Fuße des Stammbaums der sogenannten Gliederfüßer stehen, zu denen heute die Insekten, Spinnen und Krebstiere zählen, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Science".

Das Meerestier Hurdia gehört zu den sogenannten Anomalocarididen, unüblichen Garnelen, die zur Zeit des Kambriums vor rund 500 Millionen Jahren lebten. Wegen ihrer im Vergleich zu ihren Zeitgenossen großen Körpergröße und der ausgeprägten Zähne hatten Wissenschaftler den Meeresräubern schon den Spitznamen "Tyrannosaurus rex des Kambriums" verliehen. Schon vor hundert Jahren hatten Wissenschaftler zum ersten Mal Fossilteile von Hurdia beschrieben. Die Zuordnung war jedoch meist falsch: Die Wissenschaftler ordneten die verschiedenen versteinerten Körperteile ganz unterschiedlichen Organismen zu, etwa Quallen, Seegurken oder Krebstieren.

Das Team um Daley fügte nun das Puzzle neu zusammen: Hurdia hatte ein Maul mit kreisrundem Kiefer, besetzt mit bis zu fünf Zahnreihen. An beiden Mundwinkeln befanden sich klauenartige Fortsätze. Zwei Augen lugten rechts und links hervor. Über dem Kopf wölbte sich ein Panzer, der weit nach vorn überragte. Offensichtlich hatte der Panzer aber keine Schutzfunktion für den Körper, wie etwa bei heutigen Krebstieren oder Käfern: Er war innen hohl. Der Schutzschild machte rund 40 bis 60 Prozent der Gesamtlänge des Tieres von maximal 20 Zentimetern aus. Hinter dem Kopfteil schlossen sich bis zu neun Körpersegmente an. Dort machten die Forscher auch Kiemenöffnungen aus. Mit einer kurzen Schwanzflosse konnte sich Hurdia fortbewegen.

Das kleine Seemonster jagte auf dem Meeresgrund nach Beute oder ernährte sich von Aas, schreiben die Forscher. Hurdia zählt zu den Urahnen der heutigen Gliederfüßer, zu denen Insekten, Spinnen und Krebstiere zählen. Durch die genauere Untersuchung von Hurdia wollen die Forscher nun herausfinden, wie der Körperbau, die Beine oder die Atemorgane heutiger Gliederfüßer entstanden sind.

DDP DDP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker