Archäologie Die Büste der Nofretete


Die Nofretete-Büste wurde 1912 vom deutschen Archäologen Ludwig Borchardt im ägyptischen Amarna ausgegraben. Seitdem steht sie in Berlin und war immer wieder Zankapfel zwischen Deutschland und Ägypten.

Die Nofretete-Büste wurde 1912 vom deutschen Archäologen Ludwig Borchardt im ägyptischen Amarna ausgegraben. Sie stammt aus der Werkstatt des Bildhauers Thutmosis, der sie um 1350 v. Chr. anfertigte. Neben dem 48 Zentimeter hohen Kalkstein-Kopf fanden die Ausgräber weitere Kostbarkeiten im afrikanischen Wüstensand.

Zwölf Jahre war sie unter Verschluss

Vereinbarungsgemäß wurde der Fund zwischen dem Ägyptischen Antikendienst und den Archäologen geteilt - die Deutschen bekamen die Büste. Sie schafften sie nach Berlin. Zwölf Jahre wurde dort Nofretete der Öffentlichkeit vorenthalten, erst nach einer wissenschaftlichen Publikation wollte Borchardt sie im Ägyptischen Museum dem Publikum präsentieren.

Hitler wollte die Büste behalten

Kaum war das Bildnis der schönen Frau ausgestellt, forderte Ägypten das prächtige Stück zurück. Bei der Fundteilung sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen, hieß es. Zunächst blieben die Deutschen stur, Jahre später jedoch willigten sie ein, die Büste gegen Artefakte aus Kairoer Beständen einzutauschen. Immer wieder gab es Verzögerungen. Adolf Hitler verfügte Mitte der 30er Jahre: Nofretete bleibt im Reich.

Kunstaktion mit Büste sorgte für Verstimmung in Kairo

Auch nach 1945 gab es immer wieder Stimmen, die die Heimführung der Büste anmahnten. In diesem Jahr schließlich forderte die Antikenverwaltung in Kairo erneut die Rückgabe. Anlass war eine Kunstaktion mit Nofretete. Dietrich Wildung, der Direktor des Berliner Museums, hatte die Büste für ein Werk zweier ungarischer Künstler zur Verfügung gestellt: Der mehr als 3300 Jahre alte Kopf wurde einen Moment lang auf einen nackten Bronzetorso des Duos gesetzt, alles mit Video aufgezeichnet und der Film dann auf der Biennale in Venedig gezeigt.

In Kairo tobte die Presse: Eine Entwürdigung alten Kulturgutes sei das. Und damit habe das Berliner Museum gezeigt, dass es als Wächter und Schützer ägyptischer Werte nichts tauge.

Viele Ägypter vertreten in der Debatte um das rechtmäßige Zuhause der Büste allerdings einen anderen Standpunkt: Als großartige Botschafterin für das Land am Nil wirke die Skulptur in Berlin - besser könne Werbung für das Land der Pharaonen kaum sein.


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