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Biotech-Instrument: Pilz-Geige schlägt Stradivari

Durch eine Pilzbehandlung kann eine Geige die Klangqualität eines Spitzeninstruments erreichen. In einem Blindtest kürte eine Jury das "Biotech-Instrument" zum absoluten Sieger. Die zwei Millionen Dollar teure Stradivari aus dem Jahr 1711 kam nur auf Platz zwei.

Eine Pilz-Behandlung lässt gewöhnliche Geigen besser klingen als eine Stradivari

Eine Pilz-Behandlung lässt gewöhnliche Geigen besser klingen als eine Stradivari

Eine aus mit Pilzen behandeltem Holz gefertigte Geige hat in einem Vergleichstest eine originale Stradivari aus dem Jahr 1711 klar besiegt: Eine Fachjury sowie das Publikum der Osnabrücker Baumpflegetage bewertete mit großer Mehrheit den Klang dieses "Biotech-Instruments" als eindeutig besser als das Original. Bei dem Vergleich spielte der britische Starviolinist Matthew Trusler die Instrumente verdeckt hinter einem Vorhang.

Die Erklärung der Wissenschaftler: Pilze verändern die Zellstruktur des Holzes, wodurch seine Dichte geringer und das Material homogener wird. "Eine Pilzbehandlung verhilft der Geige zu einem wärmeren und runderen Klang", berichtet Francis Schwarze, einer der beteiligten Forscher. Da der Klang einer Geige entscheidend auch vom Holz abhängt, lasse sich mit diesem Verfahren die Qualität einer Spitzengeige erreichen.

Zuhörer hielten Pilz-Geige für die Stradivari

Mit rund 25.000 Franken (etwa 16.500 Euro) kostet eine pilzbehandelte Geige aus der Werkstatt des Geigenbauers Michael Rhonheimer aus Baden einen Bruchteil dessen, was Trusler für seine Stradivari ausgeben musste, die er bei den Vergleichstests spielte: Deren Wert wird auf zwei Millionen Dollar geschätzt - das entspricht etwa 1,4 Millionen Euro. Dennoch erreichte das historische Meisterinstrument nur Platz zwei, während die behandelte Geige von der überwiegenden Zahl der Zuhörer für das teure Original gehalten wurde.

"Künftig werden sich auch Nachwuchstalente eine Geige mit der Klangqualität einer sündhaft teuren Stradivari leisten können", sagt Horst Heger vom städtischen Konservatorium Osnabrück.

DDP / DDP
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