Einsteins Sommerhaus Forscheridyll im Blockhaus


Drei Jahre lang, bis zu seiner Emigration in die USA, lebte Albert Einstein im Sommerhaus in Caputh nahe Potsdam. Jetzt ist die einzige in Deutschland erhalten gebliebene Wirkungsstätte des Nobelpreisträgers wieder eröffnet.

In der Wissenschaft hat Albert Einstein viele Spuren hinterlassen, seine persönlichen Hinterlassenschaften in Deutschland aber sind rar. Nur ein Gebäude existiert noch, in dem der Nobelpreisträger einst wohnte - sein Sommerhaus in Caputh bei Potsdam. Nach dreijähriger Renovierung wurde das Holzhaus am Sonntag wieder eröffnet. Die Hebräische Universität Jerusalem, Verwalter des Einsteinschen Nachlasses, und das Einsteinforum Potsdam wollen es künftig für Foren und Diskussionsveranstaltungen verwenden.

Drei Sommer lang wischen 1928 und 1932 hielt sich der nach der Veröffentlichung der Relativitätstheorie 1905 und 1915 längst weltberühmte Forscher in Caputh auf. In der kurzen Zeit war der zweistöckige Holzbungalow des später für seine Holzkonstruktionen berühmt gewordenen Architekten Konrad Wachsmann ein Treffpunkt von Wissenschaftlern und Literaten der Weimarer Republik. Die Forscherkollegen Max Planck und Erwin Schrödinger - die Väter der Quantentheorie - empfing Einstein in seinem Domizil ebenso wie den Schriftsteller Heinrich Mann, Käthe Kollwitz oder den indischen Philosophen und Dichter Rabindranath Tagore.

Erholung vom Berliner Großstadtleben

Gerne berichten die Caputher heute, der prominente Forscher habe das Örtchen am Schwielowsee geliebt. Der Satz "Komm nach Caputh, pfeif’ auf die Welt" aus einem Brief Einsteins an seinen Sohn wird gerne zitiert. Überliefert ist auch die Einschätzung von Einsteins zweiter Frau Elsa: "Hier ist es schön, so friedlich, wie es besser nicht sein könnte." In der Natur von Caputh spannte Einstein vom hektischen Berliner Großstadtleben aus. Er las viel, saß auf der Terrasse und unternahm Segeltouren über die ausgedehnten Havel-Seen.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland war es für den Juden Einstein allerdings auch in dem vergessenen Dorf nicht mehr möglich, auf die Welt zu pfeifen. Dies voraus ahnend kehrte er von einer Vortragsreise aus den USA, zu der er im Dezember 1932 aufgebrochen war, nicht mehr zurück.

Für das unscheinbare Caputher Blockhaus mit seiner riesigen Terrasse begann eine wechselvolle Geschichte. Einstein selbst hatte sein Domizil dem benachbarten jüdischen Landschulheim zur Verfügung gestellt. Nach der Ausbürgerung des Forschers beschlagnahmte das Land Preußen das Grundstück, kurz darauf kaufte die Gemeinde Caputh die Immobilie. Während der antisemitischen Pogrome 1938 vertrieben Caputher Einwohner die jüdischen Kinder. Danach verwaiste das Gebäude.

Vorbereitung für Einsteins Rückkehr

1945 ließ es die sowjetische Besatzungsbehörde zunächst für eine Rückkehr Einsteins herrichten. Als klar war, dass der Ausnahmeforscher an der Universität Princeton in den USA bleibt, wurden in das Gebäude zunächst Flüchtlinge einquartiert. Später in der DDR wurde es als Wohnung vermietet.

Erst Ende der siebziger Jahre kehrte die Wissenschaft in das kurzzeitige Quartier des berühmten Denkers zurück. 1978 ließ die ostdeutsche Akademie der Wissenschaften das Haus unter Denkmalschutz stellen. Zu Einsteins 100. Geburtstag ein Jahr später ließ sie es rekonstruieren und nutzte es als Gästehaus.

Nach der Wende 1989/90 gab es ein jahrelanges Hin und Her um die Rückgabe an Einsteins Erben, die sich in elf Parteien teilten. Mittlerweile ist die Hebräische Universität Jerusalem Haupteigentümerin und hat die Nutzungsrechte an das Potsdamer Einsteinforum übertragen. "Wir wollen in dem Haus wieder einen Ort des wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Dialoges etablieren", sagte Geschäftsführerin Inga Wellmann.

Allerlei Nippes von der Büste bis zur Tasse

In Caputh selbst wird der kurzzeitige Bewohner heute mehr unter touristischen Aspekten genutzt. Von einer Fassade in der Dorfmitte lacht ein Konterfei des Forschers und im örtlichen Souvenirgeschäft wird von der Büste bis zur Kaffeetasse allerlei Nippes unter dem Einstein-Schriftzug angeboten.

Sven Kästner/AP AP

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