Eisbärbaby Knut Eine bärige Droge


Eisbärbaby Knut hat sich erstmals dem Publikum im Berliner Zoo gestellt, der sich über einen Besucheransturm freut. Während der Pelzträger seine Bärenruhe behielt, beobachteten Experten eine glücklich machende Wirkung bei den Zuschauern. Und die Zoologen freuen sich: "Uns hört endlich mal jemand zu".

Knut tut einfach gut. Am Bärenfelsen im Berliner Zoologischen Garten fassen sich Verliebte fester an den Händen und schauen sich tiefer in die Augen. Kinder quietschen vor Freude, die Zoo-Tierärzte platzen schier vor Stolz. Ein CBS-Reporter berichtet ergriffen von dem Glück, nach einem Irak-Einsatz hier in Berlin das bekannteste Eisbärbaby der Welt filmen zu dürfen.

"Alles kommt ideal zusammen", sagt der Zoologe Heiner Klös zur großen Show des kleinen Bären am Samstag, einen Tag nach der Premiere vor der Weltpresse. Tausende eilten herbei, die Menschenschlangen an den Kassen reichten mehrere hundert Meter bis fast zum Kurfürstendamm. "Die Leute wollen einfach genießen, sie haben das Böse in den Nachrichten gestrichen satt. Und dann ist noch Frühling, auch unsere Hormone schlagen aus", sagt Klös im Sonnenschein.

"Endlich hört uns jemand zu"

Es sei nicht allein das so genannte Kindchenschema, das den steilen Aufstieg zum absoluten Publikumsliebling auslöste. Es stecke mehr hinter dem Ansturm. "Uns als Zoologen muss das befriedigen, dass die Menschen endlich zuhören. Auch dank Knut ist die Arktis und sind die Desaster, die dort geschehen, für die Menschen wie aus dem Nichts ein ernstes Thema geworden", analysiert der Zoo-Experte. Zweifelsfrei habe auch die Empörung über die aus Sicht des Zoos "komplett blödsinnige" Debatte zu der nicht artgerechten Aufzucht des von seiner Mutter verstoßenen Jungtieres "die Liebe zu Knut vergrößert".

Tierarzt André Schüle ergänzt: "Die Leute sind alle so glücklich, so habe ich sie hier noch nie gesehen." Dann setzt er die Serie von Interviews fort, in denen er stets auf die Bedeutung von Knut für die weltweite Debatte um den Klimawandel hinweist. "Das Jungtier ist, ob wir das alle wollen oder nicht, ein Symbol für die Schönheit dieser Tierart, aber auch für die Gefahr, in der sich viele Tiere und letztlich auch der Mensch befindet."

Was wird aus Knut, wenn er gefährlich wird?

Die Besucher im Zoo reden untereinander viel über Knut als "Botschafter" und sorgen sich offen, was aus ihm wird, wenn er das putzige Babydasein hinter sich hat und naturgemäß zu einem gefährlichen Raubtier wird. Aber zunächst sind sie vorbehaltlos dankbar für Knuts Überleben und das Erlebnis seiner Aufzucht. "Danke, Herr Dörflein", ruft laut eine Frau. Viele Besucher klatschen spontan.

Ziehvater Thomas Dörflein lebte monatelang mit Knut in einer größeren Wohnkiste und nährte ihn liebevoll aus der Milchflasche und mit einem speziell angerührten Fleischbrei. "Den schönsten Job in der Stadt hat Herr Dörflein", sagt, wieder unter Beifall, ein anderer Besucher. Dem Pfleger ist das aber eher peinlich.

Indessen wurde der Trubel rund um den Bärenfelsen immer dichter. "Emilie Proper, bitte bitte komme nach hinten", ruft eine schon sehr besorgte Mutter, deren Kind, "eine kleine Blonde in rosa Jacke", im Gedränge unerreichbar weit bis an die Begrenzung durchgekommen war, und Knut nun ganz nahe vor sich sah. Nach bangem Warten schlüpft das Mädchen ganz glückselig dann doch wieder zur Mutter.

Andere Kinder haben das höher gelegene hölzerne "Piratenschiff" auf dem benachbarten Spielplatz geentert, um einen besseren Überblick zu haben. Sehr geachtet ist plötzlich der Berufsstand der Fotografen. Deren mitgebrachte Leitern dienen vielen Kindern als Aufstiegshilfe. Wer auf diesem Weg keine Chance bekommt, streckt einfach die Digitalkameras in die Höhe und fotografiert Knut "blind".

Hans-Rüdiger Bein/DPA DPA

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