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Erdbeben: Kröten könnten Frühwarnsystem sein

Können Kröten auf ein drohendes Erdbeben hinweisen? Zufällig haben Biologen in der italienischen Stadt L'Aquila vor dem Beben das Verhalten der Tiere beobachtet - und Erstaunliches herausgefunden.

Ein kleines, braunes und schrumpeliges Amphib könnte sich als verlässliches Frühwarnsystemen für Erdbeben erweisen: Männliche Erdkröten reagieren laut einer Studie sehr sensibel auf erste Anzeichen für Erdbeben. Der am Mittwoch in der Fachzeitschrift "Journal of Zoology" veröffentlichten Studie zufolge brachten sich männliche Kröten in der Region bereits fünf Tage vor dem schweren Erdbeben in den italienischen Abruzzen im April vergangenen Jahres in Sicherheit. Bei dem Erdbeben der Stärke 6,3 in der Gegend um die Stadt L'Aquila kamen mehr als 300 Menschen ums Leben.

Die Autorin der Studie, die Biologin Rachel Grant von der britischen Open University, war zehn Tage vor dem Erdbeben für eine wissenschaftliche Beobachtung zum Fortpflanzungsverhalten von Kröten an den See San Ruffino gereist, der 74 Kilometer nördlich von L'Aquila liegt. Dort untersuchte sie, wie sich Mondzyklen und Wetter auf das Laichverhalten auswirken. Während sich am 28. März mehr als 90 männliche Kröten zur Laichzeit um den See versammelt hatten, nahm die Zahl zwei Tage später rapide ab. Am 1. April, fünf Tage vor dem Erdbeben, hatten sich 96 Prozent der männlichen Kröten aus dem Staub gemacht. Am 6. April erschüttert dann das verheerende Erdbeben die Gegend.

Rückkehr erst nach dem Beben

Wenige Tage danach kamen dutzende Erdkröten zum Vollmond, einem Höhepunkt der Paarungszeit, an den See zurück. Die Zahl lag aber um 50 bis 80 Prozent niedriger als in den Vorjahren und nahm dann sofort wieder ab. Erst zwei Tage nach dem letzten schweren Nachbeben nahm die Zahl der beobachteten Erdkröten wieder deutlich zu. Zudem waren drei Tage vor dem Beben alle Kröten-Paare verschwunden. Zwischen dem Erdbeben und dem letzten schweren Nachbeben wurde außerdem kein frischer Krötenlaich entdeckt. Das Verhalten der Kröten ist Grant zufolge äußerst ungewöhnlich: Normalerweise würden männliche Kröten eine bestimmte Gegend bis zum Ende der Laichsaison nicht verlassen. Der Biologin zufolge könnten Veränderungen im Erdmagnetfeld die Tiere gewarnt haben. Das Auftreten von Gasen oder elektrisch geladenen Partikeln sind eventuell Anzeichen für die Tiere, dass eine Katastrophe droht.

Auf der Suche nach einem Frühwarnsystem für Erdbeben wurden bereits Tiere wie Elefanten, Pferde, Wölfe, Schlangen und Fische als mögliche Kandidaten genannt. Wissenschaftlich ist es allerdings nur schwer zu belegen, dass Tiere auf drohende Erdbeben im Vorfeld reagieren, da nicht bekannt ist, wo ein solches auftritt. Die Kröten-Studie ist Grant zufolge eine der ersten, in der das Verhalten von Tieren vor, während und nach einem Erdbeben dokumentiert wird. Andere Einflüsse wie Mondphasen oder Wetterbedingungen schließen die Biologen als Erklärung für das ungewöhnliche Verhalten aus.

AFP / AFP
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